Mittwoch, 26.08.2009

Arctic Sea: Wind und Nebel um eine Piratengeschichte

Achtung Piraten! Wer hinter der Affäre um die Arctic Sea steckt, bleibt weiter unklar
Moskau. Der Nebel um die Arctic Sea wird immer dichter. Die russischen Ermittler schließen nicht aus, dass an Bord des von Piraten gekaperten Schiffs auch Schmuggelware war. Der Kapitän gibt sich als Nordkoreaner aus.
Russlands Oberster Ermittler Alexander Bastrykin gesteht ein: Die Affäre um die Arctic Sea ist undurchsichtig. „Wir schließen die Variante nicht aus, dass dort nicht nur Holz transportiert wurde“, sagte er. Zuvor waren in den russischen Medien Spekulationen aufgetaucht, dass Drogen oder Waffen auf dem Schiff gewesen sein könnten.

Kapitän gibt sich als Nordkoreaner aus


Eine erste Durchsuchung der Laderäume hat nichts ergeben. Doch die Ermittler wollen das Schiff noch einmal gründlich überprüfen, sobald es im nächsten Hafen angekommen ist. Auch die Besatzung wird verhört. Man müsse überprüfen, ob nicht eins (oder mehrere) der Crewmitglieder in das Kidnapping des Schiffs verwickelt sei, gab Bastrykin zu verstehen.

Der Verdacht wird auch dadurch erhärtet, dass der Kapitän der Arctic Sea, als das russische Kriegsschiff „Ladny“ den Frachter anfunkte, erklärte, das Schiff gehöre zu Nordkorea und heiße „Chendin-2“. Nachdem die Russen die Meldung operativ überprüften und Pjöngjang mitteilte, die „Chendin-2“ lege in einem Hafen von Angola, schlug das Militär zu.

„Russland hat Recht auf Festnahmen und Ermittlungen“


Das Recht auf diese Aktion und auch die jetzigen Ermittlungen verteidigt Bastrykin vehement. Das Schiff war zwar in schwedischen Gewässern attackiert worden und lief unter der Flagge von Malta. Doch „Artikel 105 der Seerechtskonvention von 1982 lautet, dass jeder Staat, der die Hoheit über ein Piratenschiff oder ein von Piraten geentertes Schiff erlangt, das Recht hat, ein Strafverfahren einzuleiten, Ermittlungen durchzuführen und die Schuldigen einzusperren und vor Gericht zu stellen“, erklärt Bastrykin.

Mit der Rückgabe des Schiffs habe es Moskau daher nicht eilig. „Wir werden es zurückgeben, wenn wir die Ermittlungen abgeschlossen haben“, sagt Bastrykin.

Besatzung bleibt im Fokus der Ermittler


Auch die Besatzung muss sich gedulden. Obwohl die Ehefrauen der Seemänner sehnsüchtig auf ein Lebenszeichen warten, werden diese zunächst in einem Moskauer Gefängnis verhört, auch wenn Bastrykin sie nach wie vor als „wichtige Zeugen“ und nicht als Tatverdächtige bezeichnet.

Mit der Behauptung, die Seemänner dürften mit ihren Angehörigen telefonieren, steht er allerdings in Widerspruch zu den Aussagen der Ehefrauen. Bei denen hat sich bislang nämlich immer noch niemand gemeldet. Auch etwas nebulös.