Dienstag, 28.05.2013

Boston-Anschlag: Kadyrow beschuldigt FBI des Mordes

Ramsan Kadyrow meint, die US-Behörden schießen zu schnell (Foto Deeg/.rufo)
Grosny/Miami. Der von FBI-Beamten bei einer Befragung erschossene Terrorverdächtige sei „ein guter Junge“ gewesen, erklärt Tschetscheniens Republikchef Ramsan Kadyrow. In den USA würden Tschetschenen verfolgt, fügte er hinzu.
Das FBI hatte in der vergangenen Woche den tschetschenischstämmigen Ibrahim Todaschew (Todashev) im Zuge der Ermittlungen um das Boston-Attentat vernommen. Todaschew soll ein Bekannter des Attentäters Tamerlan Zarnajew gewesen sein.

Beim Verhör erschossen


US-Medienberichten nach hat Todaschew zunächst kooperiert. Im Zuge des Verhörs habe er aber einen FBI-Agenten angegriffen und sei erschossen worden. Das FBI bestätigte bisher nur die Tötung eines Verdächtigen ohne Namen zu nennen und eine Verbindung zum Boston-Attentat zu bestätigen.

Dafür gab Ramsan Kadyrow nun Details der Biographie bekannt. Demnach stammt er aus Tschetschenien, ist 27 Jahre alt und gehört nicht zu den islamistischen Kämpfern. „Den Jungen haben sie einfach so umgebracht. Wir kennen seinen Vater. Er arbeitet in der Stadtverwaltung von Grosny. Er hat uns erzählt, dass sein Sohn ihn angerufen habe und heimkehren wollte. Aber sie haben ihn getötet“, sagte Kadyrow.

Kadyrow: „Tschetschenen werden drangsaliert“


Als Grund für die geplante Rückkehr gab Kadyrow an, dass in den USA – laut Kadyrow die „Zitadelle des Bösen“ – Tschetschenen nach dem Boston-Attentat „drangsaliert“ würden. Wenn in den USA etwas passiere, werde ein Riesenlärm veranstaltet, aber wenn „Amerika selbst böses anrichtet, dann schweigen alle“, echauffierte sich der Politiker.

Zugleich distanzierte er sich erneut von den Zarnajew-Brüdern. Diese seien tatsächlich zu einem Verbrechen fähig, bekräftigte Kadyrow. „Ich habe sie studiert und Leute gefunden, die sie gekannt haben und sie haben mir gesagt, dass die Zarnajews so etwas imstande sind. Aber man hätte sie festnehmen und auf die Anklagebank setzen können“, kritisierte Kadyrow dabei erneut die Arbeit der US-Sicherheitsorgane.

Harte Bandagen auch in Russland


Mit Samthandschuhen arbeiten allerdings auch russische Sicherheitskräfte mitnichten: Allein im April sind bei so genannten „Spezialoperationen“ im Kaukasus elf mutmaßliche Terroristen erschossen worden. Vor einer Woche lieferte sich die Polizei im Gebiet Moskau einen Schusswechsel mit drei Terrorverdächtigen. Zwei wurden getötet, der dritte verletzt und festgenommen. Russische Medien kritisierten, dass die Männer den Ermittlungsbehörden seit längerer Zeit bekannt waren und ohne größeres Aufsehen hätten festgenommen werden können.

Kadyrow pflegt selbst ein Raubein-Image und geriet zuletzt in die Schlagzeilen, weil er seinen Sportminister wegen schlechter Amtserfüllung in den Boxring zitierte und verprügelte. Bürgerrechtler beschuldigen Kadyrow der Verletzung von Menschenrechten. Unter anderem lauten die Vorwürfe auf Folter und Mord.