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 (v.l.) Stellvertretender Leiter der Tschetschenischen Vertretung  Abubakir Bajbatyrow, Pressesprecher Edi Isajew und Vertreter der tschetschenischen Diaspora aus Jekaterinburg
(v.l.) Stellvertretender Leiter der Tschetschenischen Vertretung Abubakir Bajbatyrow, Pressesprecher Edi Isajew und Vertreter der tschetschenischen Diaspora aus Jekaterinburg
Freitag, 25.10.2002

Die anderen Tschetschenen

Von Gaby Henze, Moskau. Die Sicherheitsmaßnahmen sind nicht verstärkt worden vor der ständigen Vertretung Tschetscheniens im Zentrum Moskaus: Nur ein Milizionär mit einem Maschinengewähr. Oben in der 18. Etage kehrt keine Ruhe ein. Vertreter der tschetschenischen Diaspora aus ganz Russland geben sich die Klinge in die Hand. Alle wollen irgendwie helfen, aber keiner weiß so richtig, wie. Viele tschetschenische Männer haben sich schon gemeldet und sich als Geiseln angeboten.

Es ist so etwas wie ein provisorischer Krisenstab eingerichtet worden. Der Pressesprecher der tschetschenischen Vertretung Edi Isajew diktiert eine Erklärung, in der es unter anderem heißt: „Wir, gläubige Muslime, die dem Weg Allahs und des Propheten Mohammed folgen, verurteilen alle Extremisten und Terroristen, die Menschen Leid und Unglück bringen. Wenn ihr wirkliche Muslime seid, lasst die unschuldigen Menschen frei, die ihr in eurer Gewalt habt.“ Gleichzeitig gibt Isajew über das Handy Informationen an die russische Presse und beruhigt über die Stadtleitung eine Tschetschenin, die aus einem Moskauer Stadtteil anruft, weil sie Angst hat, daß ihre Wohnung von der Polizei durchsucht wird.

Der stellvertretende Leiter der tschetschenischen Vertretung Abubakir Baibatyrow ist seit mehr als 24 Stunden auf den Beinen. „Wir versuchen alles zu tun, damit die Geiselnahme unblutig zu Ende geht“, sagt er. „Wir haben uns sofort angeboten, in Verhandlungen mit den Terroristen zu treten, aber auf unser Angebot hat keiner von den Terroristen reagiert“, erklärt er gegenüber aktuell.RU.

Das Schlimmste sei, dass jetzt die 100.000 Tschetschenen in Moskau, die ganz legal in der russischen Hauptstadt wohnen, Freiwild für viele nationalistische Russen werden. Die Tschetschenin Larissa Daniwa, die aus Twer auf der Durchreise in die Heimat nach Moskau gekommen ist , will unbedingt, daß ihre Meinung Gehör findet und hält mich auf dem Flur der Vertretung fest: „Das sind doch nicht unsere Brüder. Diese Terroristen nützen uns tschetschenischen Flüchtlingen überhaupt nicht. Ich bete jeden Tag fünfmal für die Geiseln. Mögen sie alle bald unversehrt freikommen“, meint sie.

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