Dienstag, 03.02.2015

Duma-Abgeordnete wollen Reparationen von Deutschland

Viele russische Städte waren nach dem Zweiten Weltkrieg völlig zerstört, Millionen Soldaten und Zivilisten wurden getötet.
Moskau. Nadelstich aus Moskau gegen Berlin. Die Duma beschäftigt sich – dem Beispiel Griechenlands folgend - mit der Frage nach deutschen Kriegsschulden. Nach Ansicht der Parlamentarier hat Deutschland viel zu wenig bezahlt.
Die Duma setzt eine Arbeitsgruppe ein, die den Schaden berechnen soll, der der Sowjetunion durch den Überfall Deutschlands im Zweiten Weltkrieg entstanden ist. Die Rechnung wolle man dann Berlin als Reparationsforderung präsentieren, sagte der Abgeordnete Michail Degtjarew von der nationalistischen LDPR. „Faktisch hat Deutschland der UdSSR nichts für die Zerstörungen und Greueltaten des Großen Vaterländischen Kriegs bezahlt“, sagte Degtjarew.

Zu wenig bekommen


Zwar habe die Sowjetunion „einige deutsche Aktiva“ entsprechend der Jalta-Konferenz konfisziert, doch selbst mit den von der DDR getätigten Reparationszahlungen und der Arbeit der Kriegsgefangenen mache deren Wert nicht mehr als 15 bis 16 Milliarden Dollar aus, sagte der Politiker. Laut Degtjarew handelt es sich bei den „Aktiva” vor allem um Möbel, Kleidung und Industriegüter, die ohnehin als Kriegstrophäen gelten. Ob er auch die Abtretung Ostpreußens, dessen nördlicher Teil heute die russische Ostsee-Exklave Kalingrad bildet, in die Reparationszahlungen einberechnet, geht aus seinen Aussagen nicht hervor.

Dafür klagte Degtjarew über die Zahlungen an Israel über 60 Milliarden Euro für das zu Nazi-Zeiten begangene Unrecht. Während die sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust entschädigt wurden, seien die 27 Millionen toten Sowjetbürger ignoriert worden, klagte er.

Allein die materiellen Verluste seien damals auf umgerechnet 600 Milliarden Dollar geschätzt worden, führte Degtjarew aus. „Ich denke, die Endsumme der Reparationen nach heutigem Wert sollte bei mindestens drei bis vier Billionen Dollar liegen“, sagte er.

Keine einheitliche Linie in Russland


Zuspruch bekam Degtjarew unter anderem vom Leiter des Duma-Verteidigungsausschusses Wladimir Komojedow, der die Idee einer Schadensschätzung begrüßte. Er sei freilich skeptisch, dass Deutschland zahlen werde, fügte er hinzu.

Der Chef des Bildungsausschusses Wjatscheslaw Nikonow hingegen nannte die Reparationsforderung „Blödsinn“. Widerspruch kam auch aus dem Föderationsrat, wo die Frage 70 Jahre nach Kriegsende als nicht mehr aktuell eingestuft wurde.

Initiative als Stimmungsmache


Der Vorstoß dürfte in einer Zeit des Ost-West-Konflikts um die Ukraine mehr auf innenpolitische Meinungsmache abzielen. In Teilen der russischen Bevölkerung herrscht das Gefühl, erneut im Krieg gegen Deutschland oder ein von Deutschland geführtes Europa zu sein.

Die Verurteilung des Krim-Anschlusses durch den Westen versuchten daher jüngst russische Abgeordnete mit der Forderung zu kontern, die Wiedervereinigung Deutschlands als Annexion der DDR durch die Bundesrepublik zu verurteilen.