Montag, 18.01.2010

Ein Drittel der russischen Polizisten gemeingefährlich

Der Amoklauf des Majors Jewsjukow war ein Schock für Russland (Foto: Überwachungsvideo)
Moskau. In Russlands Polizei gibt es viele potenzielle Psychopathen. Ein Experte schätzt: Jeder dritte Polizist könnte ebenso Amok laufen wie der berüchtigte Major Denis Jewsjukow, der in einem Supermarkt um sich geschossen hatte.
In den Sicherheitsorganen fehle es an psychiatrischer Kontrolle. Stattdessen sei ein protektionistisches System innerhalb der Polizei aufgebaut worden, klagte Michail Winogradow, Leiter des Zentrums für rechtliche und psychologische Hilfe in Extremsituationen. „Diese beiden Dinge erlauben es Alkoholikern, Menschen mit labiler Psyche und sogar Psychopathen in den Dienst aufgenommen zu werden“, sagte er.

Etwa ein Drittel der Polizisten untauglich und gefährlich


1976 wurde in der Sowjetunion der psychologisch-psychiatrische Dienst in der Miliz eingeführt. Winogradow war damals der erste Leiter dieses Dienstes. Aufgrund der Dossiers, die dieser Dienst erstellte, wurden rund 30 Prozent der Polizisten als untauglich entlassen. Nach Angaben Winogradows sank daraufhin die Kriminalitätsrate innerhalb der Polizei deutlich.

Die Dienststellen wurden in den 90er Jahren geschlossen. „Wenn wir jetzt eine Untersuchung machen würden, dann würden wir auch etwa 30 Prozent an Alkoholikern und Psychopathen herausfischen, die aussortiert werden müssten“, erklärte Winogradow in einem Interview mit der Tageszeitung „Nowyje Iswestija“.

Aufgeblähter Polizeiapparat


Nach Angaben Winogradows gibt es derzeit nicht zu wenig, sondern zu viele Polizisten. Der Polizeiapparat sei aufgebläht und intransparent. Dies fördere auch die Kriminalität innerhalb der Miliz. Aufstiegschancen gebe es nur bei entsprechenden Beziehungen

Tatsächlich gilt die russische Polizei bei der Bevölkerung als korrupt, Polizeibeamte als bestechlich und mitunter gefährlich. Besonders großes Aufsehen erregte der Amoklauf des Majors Denis Jewsjukow im vergangenen Jahr.

Polizisten immer wieder in Bluttaten verwickelt


Der hatte zuerst einen Taxifahrer erschossen und dann in einem Supermarkt ein Blutbad mit zwei Toten und sieben Verletzten angerichtet. Jewsjukow galt als Zögling des Moskauer Polizeichefs Wladimir Pronin, der daraufhin zurücktreten musste. Der Prozess gegen Jewsjukow läuft derzeit vor einem Moskauer Gericht.

Dass der Major auch unter hochgestellten Polizeibeamten kein Einzelfall ist, wurde erst kürzlich durch die Erschießung eines Moskauer Schneepflug-Fahrers deutlich. Wie sich kurz darauf herausstellte, war der Täter Oberstleutnant der Miliz, der den Schneepflug-Fahrer nach einem Bagatell-Unfall (abgerissener Seitenspiegel) quasi hinrichtete.