Donnerstag, 13.09.2012

Enthüllung: Außenministerium durch und durch verfilzt?

Sergej Lawrows Außenministerium soll durch und durch korrupt sein. (Foto: TV)
Moskau. Ein im Internet veröffentlichter „Offener Brief“ bringt das russische Außenministerium in Aufruhr. Die Verfasser klagen, das Ministerium sei über alle Maßen korrumpiert. Nach den „Verrätern“ wird fieberhaft gesucht.
Der an die Führung des Landes gerichtete Brief, in dem von himmelschreiendem Filz auf allen Ebenen des MID die Rede ist, wurde von 38 Mitarbeitern unterschrieben. Zwei davon teilten bereits mit, ihre und wohl auch alle anderen Unterschriften seien gefälscht worden.

Die „Iswestija“ schreibt am Donnerstag, im Außenministerium habe das an Wladimir Putin, Dmitri Medwedew, Juri Tschaika, Sergej Stepaschin und Alexander Bortnikow gerichtete Schreiben eine fieberhafte Suche nach der „undichten Stelle“ ausgelöst.

Brisant an dem Brief: Der Filz im Außenamt soll hinauf bis Chef Sergej Lawrow reichen. In dem dreiteiligen, sehr ausführlichen Schreiben geht es u. a. um überteuert gekaufte Autos, Dienstwohnungen, Reparaturen und Grundstücken. Lawrow stelle Mitarbeiter „nicht nach dessen Qualität, sondern dessen Treue“ ein.

Ein einstiger Mitarbeiter des Außenministeriums sagte der „Iswestija“, das alles sei wahr, aber es habe „schon lange vor Lawrow angefangen“.

Für den Politologen Alexej Worobjow steht hinter der Geschichte die aktuelle Auseinandersetzung zwischen „den Medwedew- und den Putin-Leuten“ um die Einflüsse auf die Ölressourcen und den Disput um den Umgang mit der Opposition.

„Das ist ein Echo des inneren Konflikts der Eliten“ so Worobjow gegenüber dem Radiosender „Kommersant FM“. Sollten sich die Anschuldigungen als wahr erweisen, sei dies „ein sehr ernstes Signal für die Zentralmacht“.