Montag, 17.08.2009

Flugkatastrophen: Russlands Eliteflieger stürzen ab

Bergungsarbeiten an der Absturzstelle nahe Moskaus (Foto: Itar-Tass)
Moskau. Schwarzer Tag für die russische Luftwaffe: Zwei Kampfflugzeuge des Typs SU-27 stoßen in der Luft bei Moskau zusammen. In Kaluga stürzt eine Europameisterin vom Himmel. Die Flug-Show MAKS geht weiter.
Den dritten Sonntag im August feiern die russischen Kampfpiloten als professionellen Feiertag, den Tag der russischen Luftwaffe. Doch in diesem Jahr gibt es wenig zu feiern. Bei der Generalprobe für die Flugshow sind zwei Kampfflugzeuge kollidiert, es gibt Tote und Verletzte.

Flugshow vor dem Präsidenten


Die beiden SU-27 gehören zur Kunstflugstaffel der russischen Luftwaffe „Witjasy“ („Recken“). Zur Eröffnung des internationalen Moskauer Luftfahrtsalons MAKS sollten die „Witjasy“ vor Tausenden Zuschauern, darunter auch Präsident Dmitri Medwedew auftreten.

Die Generalprobe über dem Militärflugplatz Schukowski nahm daher der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generaloberst Alexander Selin, persönlich ab. Und der General konnte zufrieden sein mit der Show, knapp eine Stunde lang zeigten die Piloten Manöver der Extraklasse. Doch nach dem Abschluss des Programms kam es zur Katastrophe.

Kunstvoller Abgang endet im Sturzflug


Den Abgang wollte die Kunstfluggruppe ebenfalls effektvoll gestalten. Chefpilot Igor Tkatschenko tauchte unter einer Wolke durch, die anderen drei Flugzeuge stiegen rasant auf, bis einer der Flieger plötzlich in den Sturzflug überging und Tkatschenkos SU-27 förmlich abschoss.

Alle drei Piloten (Tkatschenko hatte noch einen Co-Piloten an Bord) konnten sich per Schleudersitz aus den Maschinen katapultieren. Doch Tkatschenkos Fallschirm öffnete sich nicht. Die Leiche des Obersts wurde von Spaziergängern kurz darauf im Feld entdeckt. Die anderen beiden Piloten wurden schwer, aber nicht lebensgfährlich verletzt.

Opfer unter der Zivilbevölkerung


Bei dem Unglück wurde zudem eine Datschensiedlung arg in Mitleidenschaft gezogen. Tkatschenkos Flugzeug raste in ein dreigeschössiges Cottage. Das Gebäude und auch drei Nachbarhäuser brannten aus. Die Bewohner, die versuchten, ihr Hab und Gut zu retten, erlitten schwere Verbrennungen. Der Zustand einer 51-Jährigen gilt als kritisch.

Die Unglücksursache ist noch unklar. Derzeit kursieren mehrere Versionen. Möglicherweise habe einer der Piloten die Orientierung verloren, heißt. Allerdings wird auch ein technisches Versagen nicht ausgeschlossen.

Zuletzt tauchten Spekulationen darüber auf, dass ein Vogel ins Triebwerk der Maschine geraten sei, woraufhin diese nicht mehr zu kontrollieren war und zum Sturzflug ansetzte. Das Verhör des verletzten Piloten soll Aufschluss über die Katastrophe geben.

MAKS findet trotz der Katastrophe statt


Unterdessen teilten die Organisatoren der Luftfahrtmesse MAKS mit, dass die Veranstaltung wie geplant stattfinden werde. Allerdings soll das Showprogramm gekürzt werden. Der Auftritt der „Witjasy“ dürfte ins Wasser fallen.

Vom 18.- 23. August sollen auf der MAKS die neuesten Technologien im Luftfahrtsektor präsentiert werden. Insbesondere die russischen Flugzeugbauer wollen ihre Technologien vorstellen. Es gilt als sicher, dass das Verteidigungsministerium mehrere Verträge über den Kauf von Flugzeugen unterschreibt. Größere zivile Aufträge sind hingegen unwahrscheinlich.

Absturz in Kaluga


Etwa zur gleichen Zeit wie in Schukowski kam es übrigens zu einem weiteren tragischen Absturz. Im Gebiet Kaluga stürzte die Europameisterin im Kunstfliegen Swetlana Fjodorenko in einer Jak-52 ab. Mit an Bord war zudem der Kadett des Luftfahrtinstituts Uljanow, Anton Chatschkowski. Der erst 20jährige Chatschkowski ist Sohn eines ehemaligen berühmten Kunstfliegers der „Witjasy“.

Bei dem Absturz kamen beide Piloten ums Leben. Die Ursache der Katastrophe ist unklar. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren wegen Verstoßes gegen Sicherheits-bestimmungen eingeleitet.