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An der Unglücksstelle (Foto: www.ntvru.com)
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Montag, 23.09.2002

Gletschersturz: Indiz für Klimaveränderungen

Von Gisbert Mrozek, Moskau. Das malerische Koban-Hochtal sieht aus, wie nach einer Atombombenexplosion, berichtet ein Augenzeuge. Auf 33 Kilometer Länge haben graue Eis-, Schnee- und Geröllmassen das Tal in eine Mondlandschaft verwandelt. Bis zum vergangenen Samstag war das weite Tal mit seinen steilen Hängen noch ein Ausflugsziel für Kaukasuskenner und eine ideale Kulisse für Dreharbeiten zu einem neuen russischen Abenteuerfilm.

Als am Samstagnachmittag der Gletscher Kolka plötzlich auf 5 Kilometer Länge losbrach, hatte unten im Tal kaum jemand noch eine Chance, zu entkommen. Eine gigantische Lawine von 21 Millionen Tonnen Eis und Schutt riss alles auf ihrem Wege mit. Fliehen konnten nur wenige, die die Lawine schon aus der Ferne kommen sahen und ihre Autos wenden konnten. Bis zum Montagnachmittag konnten Rettungsmannschaften erst 7 Leichen und 27 Überlebende finden. Für wahrscheinlich 95 Menschen kommt aber alle Hilfe zu spät. Verschollen sind bisher auch der prominente Schauspieler und Regisseur Sergej Bodrow jun. und weitere 48 Mitglieder seines Teams. Von einer Grenzpatrouille fehlt bis jetzt jede Spur.

Das Schlimmste sei jetzt vorbei, teilen die Behörden der russischen Teil-Republik Nord-Ossetien mit. Zwar stauen sich hinter den Eis- und Geröllbarrieren im Tal jetzt etwa 20 Millionen Kubikmeter Wasser. Bei etwa 25 Grad Lufttemperatur sammelt sich immer mehr Wasser an. Für weiter unterhalb liegende Dörfer bestehe aber keine Gefahr. Nur ein Dorf wurde sicherheitshalber evakuiert.

Bei Russland-Aktuell
• Sergej Bodrow – Russlands Gesicht der 90er
• Gletschersturz im Kaukasus
Schon am Wochenende wurden Vorwürfe an die Behörden laut. Bekannt war seit langem, dass der Kolka-Gletscher langsam talwärts rutschte. Vor etwa 10 Jahren kam der Gletscher aber zum Stillstand. Tatsächlich wurde aber zur gleichen Zeit nach dem Zerfall der UdSSR die regelmässige Beobachtung des Gletscher – wie überall im Kaukasus – eingestellt. Ursache der Katastrophe jetzt war der sehr schneereiche vergangene Winter und der darauf folgende extrem regenreiche Sommer, sagt die Wissenschaftlerin Natalia Woloditschewa.

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