Dienstag, 01.09.2009

Goldrausch im Baikalsee: Alter Bahnwaggon gefunden

Ein Schatz ist das noch nicht, nur ein alter Eisenbahnwaggon im Baikalsee (Foto: 1. Kanal)
Irkutsk. Bei der Tauchboot-Expedition im Baikalsee sind in 700 Meter Tiefe Überreste alter Bahnwaggons gefunden worden. Optimisten vermuten darin das im Bürgerkrieg vor 90 Jahren verschwundene „Koltschak-Gold“.

Wie die Forschungsexpedition auf ihrer Webseite berichtet, handelt es sich vermutlich um Überreste eines Eisenbahnzuges aus der Zeit des Bürgerkrieges nach der kommunistischen Machtergreifung 1917. Dem Tauchboot “Mir-2” gelang es, einige Fragmente eines Waggons an die Oberfläche zu holen.

Zerdrückte Reste eines Bahnwaggons


Laut Tauchboot-Fahrer Jewgeni Tschernjajew ist der Rahmen des Waggons stark deformiert. Es sei eine Tür mit Fenster zu erkennen gewesen sowie ein Stück, das entweder zum Dach oder einer Seitenwand gehört.

Schatzsucher und Legendenfreunde dürften von dem Fund elektrisiert sein: Denn es könnte sein, dass in diesem - oder irgendwelchen anderen Fahrzeugen auf dem Boden des Baikalsees – das sagenumwobene „Koltschak-Gold“ liegt.

180 Tonnen Gold in Sibirien verloren


Dabei soll es sich um einen großen Teil des Goldschatzes der Zarendynastie handeln, der im Bürgerkrieg den Weißgardisten unter Führung des Admirals Koltschak in die Hände gefallen war. Wo der Schatz abgeblieben ist, weiß niemand genau. Koltschak selbst wurde im Februar 1920 in Irkutsk hingerichtet.

Nach sowjetischen Berechnungen sind damals 180 Tonnen Gold verschwunden. Manche Forscher wähnen es in Banktresors in Japan oder Großbritannien. Andere glauben eher, dass es beim Rückzug der Weißen verloren ging - zum Beispiel beim Queren des Baikalsees.

Die Fundstelle befindet sich in dem Areal, in dem über Jahrhunderte im Winter das Eis des Sees mit Wagen und Schlitten gequert wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden hier auch Eisenbahnwaggons mit Pferden über das Eis gezogen – von denen durchaus der eine oder andere eingebrochen sein dürfte.

Baikal-Umgehungsbahn existierte zu Koltschaks Zeiten schon


Als Koltschaks Armee sich im Winter 1919/1920 in Richtung Osten zurückzog, gab es allerdings schon die Bahnstrecke um das Südende des Sees herum – weshalb es nicht unbedingt logisch ist, den Schatz gerade in Bahnwaggons mitten im See zu vermuten.

Die seit letztem Jahr laufende Tauchboot-Expedition hat sich neben naturwissenschaftlichen Forschungen auch das Ziel gesetzt, nach historischen und archäologischen Artefakten zu suchen.

„Die Spannung bleibt bestehen, weil niemand genau sagen kann, ob dort das Koltschak-Gold liegt oder ob es das überhaupt jemals gegeben hat. Diese Frage bleibt vorerst offen“, so Bair Zyrenow, der Chef des Baikalfonds, der die Expedition trägt.