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Grigori Grabowoi ist die zweite Wiederkunft Christi (Foto: www.newsru.com)
Grigori Grabowoi ist die zweite Wiederkunft Christi (Foto: www.newsru.com)
Donnerstag, 07.09.2006

Grigori Grabowoi: Gottes Sohn in U-Haft

Karsten Packeiser, Moskau. Ohne Grigori Grabowoi geht Russland vor die Hunde. Mit grotesken Aktionen versuchen Anhänger, ihren Sektenchef aus dem Gefängnis zu befreien und seine Verurteilung wegen Betrugs zu verhindern.

Im Kraftwerk Balakowo an der Wolga drohe eine nukleare Katastrophe, warnte der Hellseher und Wunderheiler. In der Reaktorwand gebe es bereits 19 Millimeter breite Risse. Die Staatsanwaltschaft lehnt freilich alle Hilfsangebote des Messias und Weltenretters ab. Grabowoi bleibt in U-Haft.

Grabowoi hat uns wieder Hoffnung gegeben


Der 42 Jahre alte Sektenführer war im April bei einem Treffen mit Jüngern im Moskauer Hotel „Kosmos“ verhaftet worden und sitzt seither in U-Haft. Mit Hilfe einer von ihm patentierten Technologie können angeblich unheilbare Krankheiten kuriert und sogar verstorbene Angehörigen von den Toten auferweckt werden. Jahrelang verbreitete Grabowoi bei Seminaren seine Heilslehre und gewann russlandweit immer mehr neue Anhänger. „Er hat uns wieder Hoffnung gegeben“, sagt Susanna Dudijewa, Vorsitzende der Bürgerinitiative „Mütter von Beslan“, die zur überzeugten Verteidigerin des Guru wurde.

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• Russische Polizei verhaftet Sektenführer Grabowoi (06.04.2006)
• Wunderheiler Grabowoi: Ein Scharlatan für Beslan (27.09.2005)
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Ein Journalist der Boulevardzeitung „Komsomolskaja Prawda“ hatte im Frühjahr schließlich dem Spuk ein Ende gesetzt. Für eine Privataudienz bei Grabowoi zahlte der Reporter Wladimir Worsobin umgerechnet 1.300 Euro. Mit einem von seinem Bildredakteur gebastelten Phantombild bewaffnet bat er um die Wiederbelebung seines angeblichen Stiefbruders. Schließlich meldete Grabowoi Vollzug, der Verwandte sei auferstanden, halte sich aber vorerst „südlich von St. Petersburg“ versteckt. Worsobin erstattete daraufhin Anzeige.

Ich bin die zweite Niederkunft Christi


Statt sich wie geplant auf die Präsidentschaftswahlen 2008 vorzubereiten, bei denen Grabowoi eigentlich in den Kreml einziehen wollte, muss der Sektenchef sich jetzt auf einen Betrugsprozess vorbereiten. Doch selbst die Verhaftung hat noch keinen Schlussstrich unter die „Bewegung zur Verbreitung der Lehren von Grigori Grabowoi (DRUGG)“ gesetzt, die zeitweilig gar den Status einer politischen Partei anstrebte. Ganz im Gegenteil: Grabowois Anhänger haben eine massive, wenn auch bisher wenig erfolgreiche PR-Kampagne für ihren inhaftierten Meister gestartet.

Journalisten erhalten dicke Pressemappen mit angeblichen Beweisen für die Wunder Grabowois. Zweifler an seiner göttlichen Natur will der Hellseher offenbar mit einer notariell beglaubigten Erklärung überzeugen: „Ich, Grigori Petrowitsch Grabowoi, geboren am 14. November 1964 in dem Dorf Bogara, Kirow-Landkreis, Gebiet Tschimkent, Kasachstan, erkläre, dass ich, Girgori Grabowoi, die zweiten Niederkunft Jesu Christi auf Erden bin.“

Eine Pressekonferenz der Grabowoi-Jünger wurde zur Farce. Die versprochene Präsentation eines von den Toten Auferweckten fiel aus. Der bereits im Leichenschauhaus aufgebahrte Ukrainer habe Angst bekommen, nach Moskau zu reisen, weil er auch verhaftet werden könnte, entschuldigten sich die Organisatoren.

Das Betrugsverfahren sei in Wirklichkeit politisch motiviert. Denn es sei nie Geld direkt an Grabowoi geflossen, wenn auch einige Mitarbeiter ohne Wissen des Hellsehers offenbar auf eigene Kasse gearbeitet.

Den Müttern von Beslan habe er, heißt es nun, auch nie konkret versprochen, ihre Kinder aus dem Jenseits zurückzuholen. Das „Phänomen Grabowoi“ müsse erforscht statt verfolgt werden. „In Russland gibt es im Moment fünf oder sechs Menschen, die erklärt haben, sie seien Gottes Sohn“, empört sich DRUGG-Sprecherin Margarita Babak. „Aber verhaftet wurde nur Grigori Grabowoi.“

(epd)


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