Montag, 06.10.2008

Grosny: Tschetschenen wollen keinen Putin-Prospekt

Wladimir Putin mag nicht, wenn nach ihm Straßen benannt werden. Foto: government
Grosny. Die Reaktion der tschetschenischen Bevölkerung auf die Umbenennung der Hauptstraße von Grosny ist überwiegend negativ. Auch im Kreml ist man nicht besonders glücklich über Kadyrows Initiative.
Die Entscheidung des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow, den Sieges-Prospekt in Gronsy in Putin-Prospekt umzubennen, stößt bei der Bevölkerung auf wenig Gegenliebe. Putin gehört in ihren Augen zu den Hauptschuldigen an der Tragödie des tschetschenischen Volkes.

In tschetschenischen Regierungskreisen hält man sich bedeckt und weist nur schüchtern darauf hin, dass Kadyrow in diesen Fragen alleinige Befehlsgewalt habe. Er müsse nicht einmal das Parlament um den Segen für solche Initiativen bitten.

Unmöglich, wie eine Milosevic-Straße im Kosovo

Die Leute auf der Straße werden deutlicher, viele sind schlichtweg schockiert. „Ich halte diese Entscheidung für eine Schande“, zitiert die Internetzeitung Newsru einen 60jährigen Einwohner von Grosny: „Genau wie Jelzin ist Putin der Hauptschuldige an der Tragödie der Tschetschenen am Ende des letzten und am Anfang dieses Jahrhunderts.“

Ein junger Mann stellt einen bezeichnenden Vergleich an: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass zum Beispiel im Kosovo eine Straße nach dem jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic benannt wird oder in Zchinwali eine nach Saakaschwili.“

Andere Bürger von Grosny sehen in der Entscheidung eine typische Spielart der im Lande herrschenden Unterdrückung. „Das Volk wird nicht gefragt; die machen das nur, weil sie wissen, dass sich keiner auf die Straße traut, weil alle unterdrückt werden“, meint ein Student.

Vor wenigen Wochen hatte Kadyrow angeordnet, eine Straße nach dem bei dem Flugzeugunglück in Perm umgekommenen General Troschew zu benennen; im Februar bekam eine Straße den Namen der Pskower Division der Luftlandetruppen. Beide waren maßgeblich an der „Befriedigung“ der Tschetschenen im ersten und zweiten Krieg beteiligt und damit verantwortlich für den Tod unzähliger Zivilisten.

Kreml-Sprecher hält sich bedeckt

In Russland ist es eigentlich nicht üblich, Städte, Straßen und Plätze nach noch lebenden Personen zu benennen. Die Entscheidung über Umbenennungen ist jedoch Sache der lokalen Verwaltungen. In Moskau und manchen anderen Regionen gibt es die Regel, eine Straße erst zehn Jahre nach dem Tod des zu verewigenden Menschen zu benennen.

Eine Ausnahme wurde allerdings auch dort gemacht, als die Bolschaja Kommunistitscheskaja-Straße nach Solschenizyns Tod dessen Namen bekam. Initiativen aus anderen Regionen, Straßen oder gar Städte nach Putin zu benennen, wurden bisher stets negativ beschieden.

Laut Putins Pressesekretär Dmitri Peskow hält der russische Ex-Präsident nicht viel von Entscheidungen dieser Art, könne aber nichts dagegen machen: „Er würde es vorziehen, wenn es solche Initiativen nicht gäbe. Aber verbieten kann er sie auch nicht.“