Dienstag, 20.03.2007

Grubenunglück: Zahl der Todesopfer steigt auf 106

Rettung aus 300 Metern Tiefe: die Brigaden des Katastrophenschutzes bergen Kumpels. (foto: tv/ntv)
Nowokusnetzk. Beim schwersten russischen Grubenunglück der letzten zehn Jahre in der Zeche „Uljanowskaja“ sind 106 Menschen umgekommen. Nach der Unfallserie der letzten Tage wird die Anordnung von Staatstrauer erwogen.
Insgesamt waren 203 Personen unter Tage, 93 wurden lebend geborgen, nach den übrigen vier Kumpels wird noch gesucht. Unter den Todesopfern befinden sich neben der gesamten ersten Schicht auch zwanzig Personen aus der Betriebsleitung des Kohlebergwerks, sowie ein Engländer.

Als sich das Unglück ereignete, zeigte die Kadergruppe, der unter anderem der stellvertretende Direktor und der leitende Ingenieur angehörten, dem britischen Wirtschaftsexperten die technischen Einrichtungen, darunter die Gas-Warnanlage. Der Engländer untersuchte im Auftrag der Audit-Firma IMS die Kohlereserven des Bergwerks.

Katastrophenschutzminister Sergei Schojgu leitet Rettungsaktion


Mittlerweile hat der russische Katastrophenschutzminister Sergei Schojgu persönlich die Leitung der Rettungsaktion übernommen. Seinen Angaben zufolge werden die örtlichen Rettungskräfte durch Brigaden aus Sibirien, dem fernen Osten und der Rostower Gebiet verstärkt.

Die Bergung der Opfer erschwert sich dadurch, dass beim Einsturz der Schächte auch praktisch das gesamte Kommunikationssystem der Grube zerstört wurde. Außerdem sind viele Abschnitte mit Wasser geflutet oder mit Gas gefüllt. Die Rettungstechniker versuchen, die Belüftung der verschütteten Regionen in rund 300 Metern Tiefe zu verbessern.

Putins „Geburtstagsgeschenk“ eingestürzt


Die Katastrophe war gestern durch eine Methangas-Explosion ausgelöst worden – eine der häufigsten Unfallursachen in der Geschichte des Kohleabbaus. Der Schacht „Uljanowskaja“ ist einer der modernsten in Russland. Er wurde 2002 zum 50. Geburtstag von Präsident Putin übergeben. Gouverneur Tulejew schrieb damals in einem Glückwunschtelegramm: „Ich gratuliere Ihnen herzlich und bitte darum, die Indienststellung des Schachts als Geschenk zu Ihrem Jubiläum zu betrachten.“ In der Kohlengrube werden jährlich 3 Mio. Tonnen Kohle gefördert.

Grubenunglücke sind in Russland – vor allem in der Kohleregion Kemerowo - keine Seltenheit. Im Februar 2007 wurden im Schacht „Dserschinskaja“ zwischenzeitlich 220 Kumpel eingeschlossen. Ein Bergarbeiter kam dabei ums Leben, die übrigen konnten gerettet werden.

Im vergangenen Jahr kamen bei vier Grubeneinstürzen sechs Bergleute ums Leben.. Das schwerste Grubenunglück der jüngeren Vergangenheit in Kemerowo datiert aus dem Jahr 2005. Damals kamen bei einer Explosion im Schacht „Esaulskaja“ 25 Menschen ums Leben. (eva/.ab/.rufo)