Mittwoch, 08.06.2011

Grüne Patrouille deckt in Russland Umweltvergehen auf

Die Grüne Patrouille geht für den Umweltschutz auf die Straße. (Foto: Grüne Patrouille)
Moskau. Die Ökologen von der „Grünen Patrouille“ ziehen eine Zwischenbilanz ihrer Tätigkeit. Sie stellen die Ergebnisse der Überprüfung des Krasnojarsker Gebietes vor, wo es schwerwiegende Umweltprobleme gibt.
Von Mitte März bis Ende Mai hatte die russische Umweltorganisation die ökologische Situation im Gebiet Krasnojarsk unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse der Untersuchungen stellte die Gruppe nun im Moskauer Haus der Journalisten vor.

Dabei ist sie zu vernichtenden Einschätzungen gekommen. Das Gebiet gehört zu den zehn am schwersten Umwelt belasteten Regionen des Landes.

Großindustrie ist der größte Umweltsünder


Das Werk für synthetischen Kautschuk, große Maschinenbaubetriebe, ein Reifenwerk, eine Kühlschrankproduktion, Heizkraftwerke und viele weitere Produktionsstätten sorgen für eine hohe Verschmutzung der Umwelt.

Den Vogel unter den Umweltsündern schießt allerdings das Aluminiumwerk KrAZ des RusAl-Konzerns von Oleg Deripaska ab. Die Konzentration des krebserregenden Stoffes Benzopyren in der Luft überschreitet die gültige Norm 290 Mal! In dieser hoch verseuchten Zone um das Werk herum leben Menschen, die darüber nicht oder nur spärlich informiert werden.

Der Jenissej wird von den Betrieben bedenkenlos mit chemischen Abfallprodukten und Öl verschmutzt. An einem Zulauf des Jenissej werden Abwässer eingeleitet, die die Wassertemperatur des Flusses an dieser Stelle auf 40 Grad (bei einer mittleren Temperatur von plus zehn Grad) ansteigen lassen.

Im Stadtgebiet fließt das Abwasser ungeklärt in den Jenissej, vor der Stadt machen sich nicht genehmigte Mülldeponien in unmittelbarer Nähe des Wasserlaufes breit.

Im bekannten Naturschutzgebiet „Krasnojarsker Säulen“ stellten die Inspektoren der „Grünen Patrouille“ eine wilde Bebauung mit Eigenheimen zu beiden Ufern des Flusses Basaicha, der die Grenze des geschützten Gebietes markiert, fest.

Vorgehen gegen Umweltverstöße und Ringen mit den Behörden


Die Umweltinspektoren sind nicht gern gesehene Gäste in den Regionen, die Behörden stellen sich ihnen eher in den Weg, als dass sie kooperieren. Ihre Überprüfungsergebnisse stellen sie den örtlichen Behörden zur Verfügung.

In vielen Fällen fordern sie die Staatsanwaltschaft auf, Ermittlungen einzuleiten. Dabei geht es immer gegen die höheren Beamten, die vor den Umweltverbrechen die Augen verschließen oder selbst daran beteiligt sind.

Wenn nichts geschieht, zieht die Umweltorganisation selbst als Kläger vor Gericht. Inzwischen haben sie schon Erfahrung gesammelt. Die Organisation gibt es seit drei Jahren, und die Grünen lassen sich nicht beirren oder gar einschüchtern.

„Grüne Patrouille“ – ein einsamer Rufer in der Wüste


Die Lobby für Umweltschützer in Russland ist klein, auch in der Duma will man sich nicht so recht auf ihre Seite stellen. Die Partei „Gerechtes Russland“ arbeitet seit kurzem mit ihnen zusammen. Die anderen Parteien „tolerieren“ sie, was im Klartext heißt: sie behindern sie wenigstens nicht.

Das Denken in ökologischen Dimensionen ist in Russland noch sehr selten. Manchmal entsteht der Eindruck, dass die Bürger des Landes eifrig an der Zerstörung und Verschmutzung ihrer Umwelt arbeiten. Bewusst oder unbewusst?

Andrej Nagibin und Ruslan Pukalow, Aktivisten der „Grünen Patrouille“, meinen, dass Russland ungefähr 20 Jahre hinter Europa herhinkt, was Umweltbewusstsein und Umweltschutz betrifft.

Für Moskau gibt es einen kleinen Lichtblick, denn die Stadt konnte ihre Position im Umweltranking um fünf Plätze, auf Nummer 67 (von 83 Subjekten der Föderation), verbessern. Das ist hoffentlich der Anfang einer Entwicklung, die der Umwelt eine Chance gibt.