Mittwoch, 25.03.2015

Kreml wechselt inhaftierten Gouverneur aus

Choroschawin hat den feinen Anzug inzwischen gegen Häftlingskleidung getauscht (Foto: Ballin/.rufo)
Moskau. Seit Wochen in U-Haft, nun auch gefeuert: Sachalins Gouverneur Alexander Choroschawin wurde gefeuert. Die lange Entscheidungszeit erklärt der Kreml mit der Suche nach dem richtigen Nachfolger – doch die Wahl ist dubios.
„Vertrauensverlust“ - mit dieser Begründung hat Russlands Präsident Wladimir Putin den Gouverneur der öl- und gasreichen Fernost-Insel Sachalin Alexander Choroschawin abgesetzt; drei Wochen nach dessen Verhaftung.

Korruption in großem Umfang


Die Staatsanwaltschaft wirft Choroschawin groß angelegte Korruptionsgeschäfte vor. Nach Angaben des Ermittlungskomitees geht es derzeit um Bestechungsvorwürfe in Höhe von 5,6 Millionen Dollar „und dies ist nur eine Episode“.

Bei Durchsuchungen in mehreren Choroschawin gehörenden Immobilien wurden Anfang März umgerechnet 16 Millionen Euro Bargeld gefunden. Sollte sich der vom Ex-Gouverneur bestrittene Vorwurf der Bestechlichkeit bestätigen, drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.

Lange Reaktionszeit


Der Fall zeichnet sich durch zwei Besonderheiten aus: Erstens ist Choroschawin der erste Gouverneur, der während seiner Amtszeit inhaftiert wurde - gewöhnlich folgt erst die Entlassung (teilweise sogar rückdatiert) und dann das Strafverfahren. Zweitens brauchten die politische Führung und die Kremlpartei „Einiges Russland“ ungewöhnlich lange, um sich von dem gefallenen Spitzenpolitiker zu distanzieren.

Wurde die Mitgliedschaft Choroschawins beim „Einigen Russland“ in der vergangenen Woche gestoppt, so ließ sich Putin sogar drei Wochen Zeit mit seiner Entscheidung. Putins Pressesprecher Dmitri Peskow erklärte die lange Auszeit mit der Notwendigkeit, einen passenden Nachfolger zu finden.

Nachfolger in Verruf


Putins Wahl fiel dabei auf den bisherigen Gouverneur der ebenfalls in Russlands Fernem Osten liegenden Amurregion Oleg Koschemjako, den Peskow als „sehr starken Gouverneur, der in einer wenig wohlhabenden Region seine absolute Effizenz bewiesen hat,“ pries. Nicht alle Beschreibungen Koschemjakos sind so schmeichelnd.

Der bekannte Duma-Abgeordnete Alexander Hinstein klagte schon 2005: „Ich weiß nicht, wer Putin die Kandidatur Oleg Koschemjakos untergejubelt hat...Eine größere Diskreditierung der Obrigkeit lässt sich schwer erdenken.“

Der Ex-Boxer Koschemjako hat sein Kapital im seinerzeit hochgradig kriminellen Fischereigeschäft gemacht. Gegen seine Firma liefen mehrere Prozesse wegen Fischwilderei. Ihm wurde in den Medien sogar die Nähe zu „kriminellen Autoritäten“ vorgeworfen.

Der Karriere tat dies bislang keinen Abbruch. Das Vertrauen im Kreml besitzt er jedenfalls noch.