Dienstag, 17.10.2006

Miliz meldet Schlag gegen georgische Mafia

Die WEK-Bank war schon seit 2005 amtlich still gelegt (Foto: Eternis/newsru)
St. Petersburg. Die russische Polizei will eine georgische Mafia-Struktur enttarnt haben, die angeblich über 6 Milliarden Euro gewaschen und außer Landes gebracht haben soll. Verhaftet wurde aber niemand.

Nach Darstellung der für Wirtschaftskriminalität zuständigen Abteilung im Innenministerium sollen über die Moskauer „WEK-Bank“ in der Zeit von April 2004 bis Januar 2005 gewaltige Summen illegal ins Ausland transferiert worden sein: Die Rede ist von 200 Milliarden Rubel, 391 Mio. Dollar und 66 Mio. Euro – insgesamt mehr als 6,3 Milliarden Euro. Es soll sich dabei um Einnahmen aus illegalen Aktivitäten wie Glücksspiel, Erpressung und Betrugsfällen georgischer Mafia-Banden halten.

Mafia-Boss unterstützte angeblich Kleinkrieg um Abchasien


Das Geld sei über ein Netz von „Marionetten-Banken“ geflossen und könne unter anderen zur Finanzierung von georgischen Gruppen, die gegen die Separatisten in der abtrünnigen Republik Abchasien kämpfen, verwendet worden sein. Jedenfalls habe der hinter dem Bankengeflecht stehende Mafia-Boss mit Spitznamen „Dshuba“ sich gebrüstet, in Georgien „einen kleinen siegreichen Krieg“ zu finanzieren.

Allerdings können die Ermittler zum momentanen Stand kaum von einem Schlag gegen das organsierte Verbrechen sprechen: Der WEK-Bank, bei der jetzt Durchsuchungen in diesem Zusammenhang stattgefunden haben, wurde bereits im August 2005 von der Zentralbank die Lizenz entzogen, als die Bank bankrott ging. Auch die anderen in das Netzwerk eingebundenen Institute waren wegen Lizenzentzügen schon lange nicht mehr handlungsfähig.

Hauptverdächtiger flog letzte Woche nach Nizza


Auch den angeblichen Hintermann des Geldwäscheringes bekamen die Ermittler nicht zu greifen: Die Mafia-Autorität „Dshuba“, deren echter Name nicht genannt wurde, habe schon am 8. Oktober in Scheremetjewo über eine VIP-Abfertigung ungehindert ein Flugzeug nach Nizza bestiegen. Bei der Durchsuchung der WEK-Bank seien Unterlagen sicher gestellt worden, die auch weitere Beteiligte offenlegten, erklärten die Ermittler.

Warum die Behörden allerdings erst jetzt zuschlugen, obwohl Unregelmäßigkeiten bei den betroffenen Banken ja offensichtlich schon lange bekannt waren, verschweigt die Behörde.

Ziemlich klar ist dagegen der zeitliche Zusammenhang mit der aktuellen kampagnenhaften Welle von Ermittlungen und Sanktionen gegen georgische Strukturen in Russland: Von Spielcasinos mit Millionenumsätzen bis hin zu einfachen illegal eingereisten Wanderarbeitern interessieren sich die russischen Behörden plötzlich brennend für alles Georgische.

Ermittler machen bei Georgiern plötzlich die Augen auf


Mit Geschäftsschließungen und Ausweisungen werden nun drakonische Maßnahmen ergriffen, wo bisher Beamte ganz offensichtlich entweder galant weggesehen oder selbst die Hand offen gehalten haben.

Die Höhe der angeblich illegal transferierten Gelder ist deshalb ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. Welche Summen davon wirklich „Schwarzgeld“ waren, ist so leicht ja auch nicht festzustellen. Auch der Hinweis auf die angebliche Finanzierung von georgischen Kampfgruppen auf diesem Wege ist bei näherem Hinsehen mehr als vage – und möglicherweise auch nur ein propagandistisches Stilmittel. (ld/.rufo)