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Donnerstag, 16.05.2002

Nussknacker für Bush und Putin

Von Gisbert Mrozek (Moskau). Eigentlich ist Moskau das ruhigste Pflaster für Staatsbesuche. Der einzige nennenswerte Zwischenfall beim letzten Besuch Bill Clintons war vielleicht, dass ein herrenloser Hund einem vorbeijoggenden Präsidenten-Sherpa ins Bein biss. Die Vorbereitungen auf den ersten Besuch von George Bush in Moskau sind trotzdem nicht ganz frei von verhaltener Nervosität und Spannung. Die amerikanische Botschaft lehnt es bisher vorsichtshalber sogar ab, das Besuchsprogramm des Präsidenten zu veröffentlichen. Es soll erst im letzten Moment bekanntgeben werden – sehr zum Ärger linker Bush-Gegner.

„Die haben Angst vor dem eigenen Schatten“, schimpft der stadtbekannte, berufsrevolutionäre Alt-Aktivist Viktor Anpilow. In Ermangelung anderer Objekte will er darum mit seinen Mannen eine Demonstration vor der US-Botschaft organisieren. Er räumt aber auch gleich ein, dass die russischen Linken und deren Wunsch-Bündnispartner, die Antiglobalisten „leider längst noch nicht die Kraft wie in Genua haben“.

Tatsächlich wird wohl KP-Chef Genadij Sjuganow wie immer zu den prominenten Gästen gehören, die der amerikanische Präsident in die Botschaftsresidenz einlädt. Und die Moskauer Anti-Globalisten lassen ihrerseits bisher George Bush ganz links liegen und beschäftigen sich lieber mit der Vorbereitung von Protesten zum EU-Russland-Gipfel, der beginnt, wenn Bush längst weg ist. Aus dieser Richtung erwartet also niemand massenhaften Ärger. Der russische „Föderale Wachdienst“, der Personenschutz des Kreml, erklärt denn auch, es würden nur die auch sonst üblichen Sicherheitsmassnahmen getroffen werden, wenn Bush am 23. und 24. Mai in Moskau und dann am 25. und 26. Mai in Petersburg ist.

Es macht auch kaum größere Sorgen, dass am vergangenen Wochenende 40 Skinheads und Spartak-Fußballfans randalierend durch die Innenstadt zogen, einige Vitrinen zerschlugen und schließlich kurz vor der US-Botschaft von der Miliz abgefangen und festgenommen wurden. Ein Sicherheitsrisiko für George Bush sind sie bestimmt nicht.

Bedenklicher stimmt hingegen die Ankündigung einer Neonazistischen Gruppe, alle Ausländer zu erschlagen, die ihnen über den Weg laufen. Rabiaten Überfällen und Strassenschlägereien, besonders gegen schwarzhäutige Ausländer, waren auch schon US-Bürger zum Opfer gefallen. Am Wochenende vor dem Bush-Besuch sprechen darum West-Botschafter beim russischen Außenminister vor, um dort ihre Sorgen über die Sicherheit der eigenen Bürger vorzutragen.

George Bush wird all das wohl kaum anfechten. Und auch die russische Seite will dafür sorgen, dass der Texaner Russland in guter Erinnerung behält. Zum Abschluss in St.Petersburg will Stardirigent Gergijew dem Staatsgast eine Neuinszenierung von Tschaikowskijs „Nussknacker“ zu Gehör bringen – wenn Bush es denn zu schätzen weiß.

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