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Freitag, 10.01.2014

Orthodoxe Kirche fordert Referendum über Schwulen-Verbot

Kirchensprecher Wsewolod Tschaplin will eine Volksabstimmung zur Frage, ob Homosexualität strafbar ist (Foto: pravmir)
Moskau. Die russisch-orthodoxe Kirche erhöht den Druck gegenüber Schwulen und Lesben: Ein einflussreicher Kirchenvertreter sprach sich dafür aus, per Volksabstimmung Homosexualität wieder unter Strafe zu stellen.
Der Sprecher der russisch-orthodoxen Kirche Wsewolod Tschaplin hat sich dafür ausgesprochen, ein Referendum über die Wiedereinführung von Strafen für homosexuelle Handlungen in Russland abzuhalten. „Die Mehrheit unseres Volkes und nicht irgendwelche äußeren Mächte sollte entscheiden, welche Handlung strafbar ist und welche nicht“, zitiert die Tageszeitung „Iswestija“ Tschaplin.

Homosexualität völlig eliminieren


Er sei für eine vollständige Eliminierung homosexueller Kontakte in der Gesellschaft, sagte Tschaplin. „Wenn dies mit Mitteln moralischer Überzeugung gelingt, um so besser, wenn dafür die Einschaltung von Gesetzen nötig ist, dann lasst uns die Menschen befragen, ob sie dazu bereit sind“, sagte Tschaplin, der als einer der einflussreichsten Kirchenfunktionäre unter dem Moskauer Patriarch Kyrill I. gilt. Rund zwei Drittel der Russen bekennen sich zum orthodoxen Glauben.

Tschaplin reagierte damit auf eine Initiative des bekannten russischen Schauspielers und ehemaligen Geistlichen Iwan Ochlobystin. Der hatte einige Tage zuvor in einem offenen Brief an Präsident Wladimir Putin die Wiedereinführung der Strafbarkeit für homosexuelle Handlungen gefordert. Sollte die Einführung des Gesetzes nicht in der Kompetenz Putins sein, so schlug Ochlobystin ebenfalls ein Referendum zu der Frage war.

Stalin ließ Homosexualität bestrafen


Noch unter Stalin war Homosexualität unter Strafe gestellt worden und konnte mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden. Parallel dazu konnten Betroffene auch zwangsweise in eine Psychiatrie eingewiesen werden. Das Gesetz wurde erst 1993 außer Kraft gesetzt.

Der Vorsitzende des russischen LGBT-Verbands Igor Kotschekow nannte die Initiative amoralisch und juristisch unsinnig. „Die Bestrafung freiwilliger sexueller Handlungen ist eine Einmischung ins Privatleben“, kritisierte er. Ebenso könne man Deutsche über die Wiedereinführung von Konzentrationslagern abstimmen lassen, warnte er.

Russen glauben an Heilung


Die russische Gesellschaft gilt als mehrheitlich homophob. Einem Bericht des Meinungsforschungsinstituts Lewada-Zentrum halten die Russen Homosexualismus für eine Krankheit, die geheilt werden muss (34 Prozent), die Folge schlechter Erziehung (23 Prozent) oder das Ergebnis von Unzucht (17 Prozent). Nur 16 Prozent der Befragten sehen die sexuelle Orientierung als angeboren an.

Auch prominente Russen äußern sich immer offener schwulenfeindlich: Der gleiche Ochlobystin hatte bei einem Auftritt vor rund einem Monat gar vorgeschlagen, Homosexuelle bei lebendigem Leib zu verbrennen. Der Fernsehjournalist Dmitri Kisseljow forderte in einer Sendung, Homosexuellen das Blut- und Samenspenden zu verbieten und ihre inneren Organe nach dem Tod zu verbrennen. Kisseljow wurde erst vor wenigen Wochen zum Generaldirektor der neugeschaffenen russischen Nachrichtenagentur „Russland heute“ – hervorgegangen aus der Fusion von RIA Nowosti und der Stimme Russlands – befördert.

Verbot der Schwulenpropaganda


Im Sommer 2013 unterzeichnete Präsident Putin ein Gesetz, dass „homosexuelle Propaganda“ unter Minderjährigen verbietet. Positive Äußerungen über Homosexualität in der Öffentlichkeit oder über die Medien stehen seitdem unter Strafe.

Bürgerrechtler hatten gewarnt, dass das Gesetz die homophobe Stimmung im Land anheizen werde. Kritik kam auch aus dem Ausland – mehrere Sportler und Politiker wollen deswegen sogar die Olympischen Winterspiele in Sotschi boykottieren.

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