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Priester Alexander Filimonnow ist nicht der erste ermordete Geistliche in Russland. (Foto: newsru.com)
Priester Alexander Filimonnow ist nicht der erste ermordete Geistliche in Russland. (Foto: newsru.com)
Mittwoch, 23.12.2009

Priester getötet – wegen Kritik an „wilden Pinklern“

Russland ist erschüttert über den Tod eines Priesters: Er hatte Trinkern Vorwürfe gemacht, die er beim Urinieren auf der Treppe seines Wohnhauses ertappte. Daraufhin erschoss einer der Männer den Geistlichen hinterrücks.

Die Polizei in Podolsk nahe Moskau konnte die Bluttat innerhalb einer Nacht aufklären. Drei Männer im Alter von 28 bis 38 Jahren wurden festgenommen. Tags darauf erklärte die Ermittlungsbehörde, dass als mutmaßlicher Täter ein Einheimischer gilt, der bereits einmal wegen eines Tötungsdelikts im Gefängnis saß.

Der 39-jährige Priester Alexander Filippow war Vorsteher der russisch-orthodoxen Dorfkirche im Kreis Podolsk, lebte aber in der Kreisstadt. Er hinterlässt Frau und drei Töchter.

Schuss ins Herz wegen Kritik


Nach Angaben der Ermittler war Filippow gegen 21 Uhr ins Treppenhaus gekommen, als sich dort eine Gruppe alkoholisierter Männer daneben benahm. Er trug Zivilkleidung und sei nicht als Geistlicher zu erkennen gewesen, so ein Polizist.

Die Witwe sagte, Vater Alexander hätte die Gruppe beim Verrichten ihrer Bedürfnisse im Treppenhaus angetroffen. Als Reaktion auf seine Kritik hätte ihm einer der Männer ins Herz geschossen. Der Priester war sofort tot.

Waffenfund in der Wohnung des mutmaßlichen Mörders


Der Schuss traf Filippow in den Rücken, als er seine Wohnungstür öffnen wollte. Seine Frau und eine anwesende Tochter schlossen die Tür sofort, „womit sie möglicherweise ihr Leben retteten“, so ein Sprecher der Ermittlungsbehörde. Bei der Tatwaffe handelte es sich um eine für den Einsatz von 9-Millimeter-Patronen umgebaute Luftpistole.

Der Schütze sammelte anschließend die Patronenhülsen auf und floh mit seinen Trinkkumpanen. Später habe er die Tatwaffe im Auto eines Bekannten versteckt, so die Ermittlungsbehörde. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des Täters wurden später noch ein Jagdgewehr, Munition und ein Elektroschock-Gerät gefunden.

Niedriges Niveau der zwischenmenschlichen Beziehungen


Wie aus dem Moskauer Patriarchat verlautete, war Vater Alexander im Kampf gegen den Alkoholismus aktiv. Er habe jeden Samstag in seiner Kirche eine Andacht gehalten, bei der für die Befreiung von Trunk- und Drogensucht gebetet worden sei.

Erst im November war in Moskau ein russisch-orthodoxer Priester in seiner Kirche von einem Killer erschossen worden. Dieser Geistliche hatte sich besonders im Kampf gegen Sekten engagiert und soll deshalb zuvor auch Todesdrohungen erhalten haben.

„Die erneute Tötung eines Priesters ist ein ernstes Signal für die Gesellschaft“, so Synoden-Pressesprecher Wladimir Legoida.

Bei Russland-Aktuell
• Killer erschießen Priester in Moskauer Kirche (20.11.2009)
• Orthodoxer Priester tötet Ehefrau, Kind und sich selbst (29.04.2009)
• Kyrill: Vordenker, Außenminister - und Patriarch? (11.12.2008)
• Zwei katholische Priester in Moskau ermordet (29.10.2008)
„Das Niveau der zwischenmenschlichen Beziehungen ist so tief gesunken, dass Menschen schon nicht mehr fähig sind, normal zu reagieren, wenn ihnen ihr Nächster eine Bemerkung macht“, erklärte ein Sprecher des Moskauer Patriarchats.

Es sei bezeichnend, dass gerade ein Geistlicher in diese Situation geraten sei. Kirchenleute und Gläubige blieben nicht gleichgültig und zeigten eine „aktive bürgerliche Position“.

Keine Todesstrafe!


Patriarch Kyrill I., das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, erklärte bei einem Treffen mit dem Europarats-Generalsekretärs Thorbörn Jagland am Mittwoch in Moskau, dass selbst die gefährlichsten Verbrecher wie der Priestermörder von Podolsk nicht die Todesstrafe verdient hätten:

„Sie haben das Recht, während ihrer Gefängniszeit Buße zu tun“, so Kyrill. Seine Kirche begrüße, dass in Russland die Todesstrafe inzwischen abgeschafft sei.



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