Mittwoch, 04.07.2007

Rassenhass in Russland: Dieses Jahr schon 34 Tote

Eine erschreckend hohe Zahl der rassistischen Attacken endet tödlich (Foto: newsru.com)
Moskau. Gewalttätige rassistische Übergriffe werden in Russland immer häufiger – und die Zahl der Toten wächst. Im ersten Halbjahr 2007 kamen bei derartigen Angriffen 34 Menschen ums Leben, 14 mehr als im Vorjahr.
Von Januar bis Juni wurden in ganz Russland 280 Menschen Opfer rassistisch motivierter Angriffe. 34 von ihnen überlebten die Attacken nicht, die in den Medien oft pauschal „Skinheads“ zugeschrieben werden.

Gegenüber dem Vorjahr ist eine Steigerung um 20 Prozent festzustellen, erklärte die Vizedirektorin des Analysezentrums „Sowa“, Galina Koschewnikowa. 2006 wurden im gleichen Zeitraum 231 rassistische Angriffe und 20 Todesfälle gezählt.

Besonders viele Fälle in und um Moskau



Mit Abstand am häufigsten geschehen die brutalen Übergriffe im Großraum Moskau. Dort wurden 24 Tote und 84 Verletzte gezählt. In St. Petersburg, in der Vergangenheit oft als „Hauptstadt der rechten Gewalt“ in Russland bezeichnet, waren es drei Tote und 62 Verletzte. In Nischni Nowgorod wurden 34 Leidtragende registriert.

Opfer von Massenschlägereien sowie Übergriffe auf Angehörige sexueller Minderheiten würden in dieser Statistik nicht berücksichtigt, so Koschewnikowa. Letztere seien in jüngster Zeit immer öfter Ziel von Aggressionen mit nazistischer Motivation.

Vandalismus gegen Synagogen und Kirchen



Ebenfalls nähmen die Fälle von Vandalismus zu, hinter denen mit großer Wahrscheinlichkeit ethnischer, religiöser oder durch rechtsradikale Überzeugungen generierter Hass stehe. Von den 38 registrierten Fällen hätten sich die meisten gegen Glaubensgemeinschaften gerichtet: elf Mal gegen jüdische Einrichtungen, acht Mal gegen verschiedene protestantische Konfessionen und auch zwei Mal gegen die russisch-orthodoxe Kirche.

Rechtsradikaler Massenmörder in U-Haft



Die Moskauer Polizei hat im Mai einen jungen Mann festgenommen, der zunächst 37 Morde aus rassistischen Motiven gestand. Später widerrief er seine Aussagen, doch sind sich die Ermittler inzwischen angeblich sicher, ihm und einigen komplizen zumindest 22 tödliche Überfälle nachweisen zu können. Die Opfer waren dabei meist Gastarbeiter aus anderen GUS-Republiken. In St. Petersburg war im letzten Jahr eine rechtsradikale Gruppe enttarnt worden, die immer wieder Jagd auf Nicht-Russen gemacht hatte. Ihr Anführer wurde beim Versuch seiner Verhaftung erschossen.

Verhaftung wegen antisemitischer Sprüche



Wie die Moskauer Behörden heute bekannt gaben, wurde in der russischen Hauptstadt ein Student verhaftet, der als Anführer der Skinhead-Gruppe „Format-18“ gilt. Die Festnahme erfolgte nicht wegen unmittelbar von ihm verübter Gewaltakte, sondern weil er im Februar in einem Club nazistische Symbole gezeigt und antisemitische Aussagen gemacht haben soll. Eine Expertise haben zwischenzeitlich ergeben, dass diese Zitate juristisch als Aufstachelung zu religiösen und ethnischem Hass zu betrachten seien.

Angeblich soll der festgenommene Student auch über einen Internet-Blog eine Massenschlägerei zwischen Rechtsradikalen und Kaukasiern initiiert haben. Dabei waren im Juni im Moskauer Zentrum etwa 50 Menschen beteiligt, 23 von ihnen wurden festgenommen.


(ld/rufo/St.Petersburg)