Mittwoch, 27.05.2009

Russen bereiten sich auf nächste Entlassungswelle vor

Der Arbeitsmarkt schrumpft - immerhin diese beiden haben einen sicheren Job, Müll gibt es in Moskau genug (Foto: Ballin/.rufo)
Moskau. Über zehn Prozent der Russen sind bereits arbeitslos und die Angst vor einem Arbeitsplatzverlust nimmt zu. Über ein Drittel der Beschäftigten befürchtet, selbst in Kürze Opfer neuer Massenentlassungen zu werden.
Laut der Statistikbehörde Rosstat hat die Arbeitslosigkeit Ende April die Marke von zehn Prozent durchbrochen. 7,7 Millionen Menschen im Land sind arbeitslos, das entspricht 10,2 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung. Bis Jahresende könnte die Zahl nach Schätzungen der Consultingagentur FBK auf 8,5 – 9 Millionen Arbeitslose ansteigen.

Ein Drittel fürchtet die eigene Entlassung


Die Unruhe unter den Russen ist daher groß. Bei einer Meinungsumfrage des Lewada-Instituts gaben 36 Prozent der Befragten an, Angst vor der eigenen Entlassung zu haben. Die Wahrscheinlichkeit dafür sei groß oder sehr groß.

Dass es speziell in ihrem Betrieb zu weiteren Massenentlassungen kommt, befürchten 29 Prozent, wobei die Angestellten die Schuld in der Regel beim Management sehen. Das Management tue nichts, um Entlassungen zu vermeiden, glauben 29 Prozent.

Auch die Alternative einer Entlassung sieht oft nicht gut aus: Weitere 27 Prozent der Befragten geben nämlich an, dass der Betrieb zwar die Beschäftigten formal nicht entlasse, sie dafür aber in unbezahlten Urlaub oder schlecht bezahlte Kurzarbeit schicke.

Wenig Hilfe von den Arbeitgebern, Vertrauen in die eigene Kraft


Nur drei Prozent erklärten, in ihrem Betrieb werden neue Filialen und Aufgabenfelder geschaffen, um frei gewordenes Personal aus anderen Bereichen dort einzusetzen. Weitere drei Prozent heben immerhin hervor, dass der frühere Arbeitgeber bei der Suche nach einer neuen Stelle behilflich war.

Ein bisschen Optimismus haben sich die Russen allerdings bewahrt. Etwas mehr als die Hälfte ist zumindest überzeugt, nach einer Entlassung einen neuen Job zu finden, 48 Prozent glauben hingegen, dass dies schwer oder unmöglich wird.