Dienstag, 06.01.2009

Russisches Weihnachten: Kirche will sozialen Frieden

Metropolit Kyrill (Kirill) ist momentan Statthalter für den verwaisten Patriarchen-Thron - und Favorit bei dr Nachfolger-Suche (Foto: Archiv/.rufo)
Moskau. Diesmal gibt es zwei Weihnachtsbotschaften der russisch-orthodoxen Kirche. Der verstorbene Patriarch Alexi II. verabschiedet sich. Metropolit Kyrill mahnt angesichts der Krise, den Frieden in der Gesellschaft zu bewahren.

Alexi II. verabschiedet sich in seiner Botschaft mit den Worten "Mit Gottes Hilfe ist mein Dienen als Patriarch nun vollendet". Er erinnert an die im vergangenen Jahr vollzogene Vereinigung mit der russisch-orthodoxen Auslandskirche und an die Feiern zum 1020. Jahrestag der Taufe Russlands in Kiew. Die Einheit der russisch-orthodoxen Kirche müsse sorgsam bewahrt und weitergegeben werden.

Alexi II. erwähnt aber auch bedauernd den Ossetienkrieg zwischen Georgien und Russland, bei dem "orthodoxe Christen gegeneinander standen".

Russisch-orthodoxes Weihnachten
Die russisch-orthodoxe Kirche begeht das Weihnachtsfest nach dem Julianischen Kalender am 7. Januar. Bis zum 7.Januar gilt für die russisch-orthodoxen Gläubigen die 40 Tage lang währende Weihnachtsfastenzeit. Die Weihnachtsgottesdienste beginnen am Heiligabend vom 6. auf den 7.Januar in über 600 Kirchen in Moskau und in fast 30.000 Gemeinden in Russland. Etwa 100 Millionen Bürger Russlands gelten als russisch-orthodox.
Metropolit Kyrill wirkt in seiner ersten Weihnachtsbotschaft als Statthalter des Patriarchen bereits wesentlich direkter und politischer als Alexi II. Mit dessen Tod sei eine wichtige Epoche im Kirchenleben und eine Periode der sozialen Wandlungen zu Ende gegangen, schreibt Kyrill. Die Gesellschaft von heute sei der vergangenen Zeit der Gottlosigkeit gar nicht mehr ähnlich.

Aufgaben der Kirche in Krisenzeiten


Anschliessend skizziert der Metropolit die Aufgaben der Kirche in Krisenzeiten "in den Ländern, in denen die russisch-orthodoxe Kirche die geistliche Führerschaft hat".

Die Kirche solle alle Menschen umarmen, die unter der Krise leiden, mahnt Kyrill, der in den vergangenen Jahren Ansätze einer russisch-orthodoxen Soziallehre formulierte. Viele Menschen seien wegen der "von außen kommenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme" arbeitslos geworden oder erlitten materielle Verluste.

Mit Gottes Hilfe könnten Regierende, Unternehmer und einfachen Arbeiter gemeinsam diese Probleme überwinden, um den sozialen Frieden zu bewahren, schreibt Kyrill.

Das amtierende Kirchenoberhaupt spricht damit die in Russland weit verbreiteten Befürchtungen direkt an, die Krise könne in Russland zu sozialen Unruhen führen.

Kyrills Botschaft ist auch Kirchen-Wahlkampf


Mit seiner Botschaft positioniert er die Kirche und sich selbst als wichtige Vermittler von sozialer Partnerschaft - auch wenn diese in Russland immer sehr fragwürdig ist.

Kyrills Botschaft ist zugleich auch Wahlkampf: Der Nachfolger des Patriarchen soll auf einem russisch-orthodoxen Kirchenkonzil am 30.Januar gewählt werden. Als aussichtsreichster Kandidat gilt Kyrill, Metropolit von Smolensk und Kaliningrad.