Mittwoch, 28.09.2011

Russland will Hanfanbau zum Kampf gegen die Drogenmafia

Russland will harmlosen Hanf anbauen - geht das überhaupt? (Foto: newsru.com) den überhaupt
Moskau. Das russische Antidrogen-Komitee will auf originelle Weise den Drogenkonsum stoppen: Statt Rausch-Hanf sollen „neutrale“ Sorten gepflanzt werden. Experten zweifeln daran, dass es solche überhaupt gibt.
Die Idee des Antidrogenkomitees ist so einfach wie genial: Auf den Feldern, wo in Russland traditionell wilder Hanf wächst – in Südostsibirien und im südrussischen Gebiet Krasnodar – soll eine Sorte angepflanzt werden, die keine Rauschmittel enthält.

Das würde gleich mehrfach von Nutzen sein, meinen die Drogenbekämpfer: Der Hanf könnte in der Industrie und Landwirtschaft Nutzen bringen, wo viele neue Arbeitsplätze entstünden. Und es wäre vorbei mit dem Drogenmissbrauch und -handel (jedenfalls auf dem Binnenmarkt).

Etwa eine Million Hektar Anbaufläche machen diese Felder aus. Viktor Iwanow, der Leiter des Antidrogen-Komitees, sagt gegenüber der „Rossijskaja Gaseta“: Jetzt sind sie eine einträgliche Quelle für Drogenhändler. Wir schlagen vor, diese ganzen Felder mit unschädlichem Hanf einzusäen.“

Laut Iwanow sei das Verbot des Hanfes an sich ein großer Fehler, denn nur eine einzige Sorte könne als Droge genutzt werden. „Diese Sorte wollen wir natürlich nicht pflanzen“, so der oberste russische Drogenbeauftragte. Es ginge vielmehr um „unschädlichen Hanf, einen überaus wertvollen strategischen Rohstoff“.

Die Idee des Antidrogen-Komitees stößt bei anderen Behörden wie dem Wirtschafts- und dem Landwirtschaftsministerium auf Zustimmung. Auch Russlands oberster Amtsarzt Gennadi Onischtschenko ist der Meinung, der Anbau von nicht-drogenhaltigem Hanf würde der Industrie Nutzen bringen.

Jewgeni Brjun, leitender Drogenarzt beim russischen Gesundheits-Ministerium, ist dagegen sehr skeptisch: Es gäbe Versuche, nicht-drogenhaltige Hanfsorten zu züchten, aber er habe noch nie gehört, dass dies gelungen wäre.