Donnerstag, 28.07.2005

Russlands Alternative zum Shuttle heißt Klipper

Das Buran-Projekt ist inzwischen stillgelegt. Die Raumfähren dienen als Freizeitvergnügen wie hier im Gorki-Park. Nachfolger soll der Klipper werden. (Foto: Mrozek/.rufo)
Moskau. Nach dem Shuttle-Desaster können nur noch die alten Sojus-Raumschiffe Menschen ins All bringen. Die Zukunft der bemannten Raumfahrt heißt Klipper und soll mit europäischer Hilfe 2012 startbereit sein.
Eines aber wird auch Klipper im Unterschied zu den Shuttles nicht können Ц schwere Fracht in die Umlaufbahn bringen. Klipper soll eine reine Personenfähre sein. Wie Nikolaj Moissejew, stellvertretender Leiter der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos gestern bei einem Hintergrundgespräch sagte, liege dem Raumgleiter ein völlig neues Grundkonzept zugrunde.

Im Gegensatz zu amerikanischen Shuttles und zur russischen Buran-Raumfähre, wo Fracht und Astronauten zusammen an Bord sind, müssten für die Zukunft die beiden Funktionen der Fracht- und Personenbeförderung von einander getrennt werden. Das steigere die Sicherheit, denn nach Ansicht Moissejews entfalle dadurch eine ganze Reihe von Risikofaktoren.

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Laut Roskosmos-Leiter kritisiere im übrigen selbst NASA-Chef Michael Griffin das eigene Shuttle-Konzept: Auf 50 Flüge käme ein Unfall, und dies sei eine zu hohe Quote.

Klipper ist eher eine Raum-Yacht als ein Raumschiff Ц als Schwergut-Transporter ungeeignet

Das Problem des Schwergut-Transportes im Weltraum kann allerdings Klipper nicht lösen, der eher eine Raum-Yacht als ein Raumschiff sein wird. Als Raumfrachter stehen bisher nur russische Progress-TM zur Verfügung, die auch nach dem Shuttle-Ausfall den Betrieb der ISS aufrecht erhielten.

Die Transportkapazität der Progress-TM reicht aber nicht aus, um schwere ISS-Module in die Umlaufbahn zu hieven. Sowohl das europäische Modul, das im Herbst geliefert werden sollte, als auch der russische Kraftwerksblock im Jahre 2009 sind konstruktiv auf die US-Shuttles ausgelegt. Ohne US-Shuttles könne also die ISS weder zu Ende gebaut, noch vollwertig genutzt werden, sagte Moissejew.

Darum seien alle ISS-Partner daran interessiert, dass die US-Shuttles wieder fliegen.


Klipper in Kooperation mit den Europäern

Vorteil der russischen Raumfähren der neuen Generation wäre ihre Flexibilität. So müsste nicht jeder Start wie jetzt vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan aus erfolgen. Andere Startplätze wie zum Beispiel in Plesezk wären ebenso geeignet. Landen könne das Raumschiff sogar wie ein normales Flugzeug nahezu auf jedem beliebigen Flughafen - „selbst in Europa“, betonte Nikolaj Moissejew.

Folgerichtig soll Klipper in enger Kooperation mit der europäischen ESA gebaut werden. Die Europäer übernehmen die Cockpitmodul-Entwicklung komplett. So zumindest, laut Moissejew, die bisher erzielten grundsätzlichen Absprachen.

Jetzt müsse das Supershuttle nur noch gebaut werden. In Modellform steht es schon bei dem russischen Weltraumkonzern Energija, der aller Voraussicht nach den Klipper bauen wird.

Vom Nationalstolz zur Touristenattraktion

Spätestens wenn die Klipper 2012 zum Jungfernflug antritt, werden die heutigen NASA-Shuttles endgültig abgeschrieben. Wie beim Buran bereits geschehen Ц die russische Raumfähre steht heute als Touristenattraktion im Moskauer Gorki-Park. Besonders Mutige können dort ein Weltraumfrühstück aus der Tube genießen.

(mig/ali/.rufo)