Die Eroberung des Weltraums verlief nicht ohne Rückschläge (Foto: .rufo)
Dienstag, 12.04.2005
Tag der Raumfahrt: Vom Gagarin-Flug zum Klipper
Moskau. Der Tag der Raumfahrt sollte nicht am 12. April, sondern im Dezember gefeiert werden. Im Oktober 1960 explodierte aber in Baikonur eine Rakete beim Start. Der erste bemannte Raumflug wurde verschoben.
268 Menschen inclusive des Raketenmarschalls Mitrofan Nedelin verbrannten damals bei lebendigem Leibe. Was heute jeder weiß, galt jahrzehntelang als Staatsgeheimnis. Erster Mensch im All sollte nicht Juri Gagarin, sondern German Titow heißen, weil er keine Kinder hatte. Die Rückkehrchancen standen 50 zu 50. Kein Mitglied der ärztlichen Kommission war bereit, das Überleben des Kosmonauten schriftlich zu garantieren. Für Gagarin, der zwei Töchter besaß, war das Risiko unvertretbar, aber der Flugleiteiter Sergej Koroljow wollte keinen anderen.
Hunde verbrannten, ein Raumschiff blieb oben
Das erste unbemanne Wostok-Raumschiff geriet im Mai 1960 wegen eines Orientierungsfehlers in eine viel zu hohe Umlaufbahn. Es kreist heute noch um die Erde. Im September explodierte eine Trägerrakete beim Start. Die Testhunde Damka und Krassawka verbrannten. Im Dezember verbrannten Ptscholka und Muschka beim zu schnellen Landeanflug. Da aber bekannt wurde, dass ein Amerikaner am 2. Mai 1961 ins All fliegen sollte, übernahm der „Vater der russischen Raumfahrt“ allein die volle Verantwortung.
Vier Kerle mit Netz als Rettungssystem Besonders gefährlich waren die ersten 20 Sekunden. Nach einer – gar nicht so seltenen - Raketenexplosion konnte sich der Kosmonaut theoretisch mit dem Katapult retten, bei der geringen Höhe aber keinen Fallschirm benutzen. Wie jetzt die Tageszeitung „Moskowski Komsomolez“ berichtete, gab es auf dem Startplatz ein Notrettungssystem, bei dem es sich um „vier ausgewachsene Kerle mit einem großen Netz“ handelte. Damit fingen sie den verunglückten Raumfahrer samt Schleudersitz auf. Zum Glück wurde es nicht gebraucht.
Drei Mitteilungen lagen bereit
Für nach dem Flug hatte man dreierlei Mitteilungen vorbereitet. Die zweite Fassung handelte vom Nichterreichen der der Erdumlaufbahn, die dritte vom tragischen Tod des Raumfahrers. Verlesen wurde die erste, weil alles wider Erwarten geklappt hatte. Selbst die Landekapsel ging wider Erwarten genau an der vorausberechneten Stelle nieder. Gagarin hatte während des ganzen 108minütigen Fluges wie ein Buch geredet. Das war als Lebenszeichen gedacht, wurde aber eine einmalige Reportage. Der erste Kosmonaut war ein guter Griff. Koroljows Risikorechnung ging auf.
Zum ersten Mal freiwillige Demonstration
Wer den 12. April 1961 in Moskau erlebt hat, wird diesen Tag nie vergessen. Der Rote Platz war voll, obwohl niemand die Bürger zu einer „Kampfdemonstration“ aufgefordert hatte. Es wurde gelacht, zur Ziehharmonika getanzt und getrunken. Menschen, die sich nicht kannten, fielen einander in die Arme. Dabei wurde gar nicht so viel getrunken – nur ein Freudenbecher auf Gagarin, die große Sowjetunion und wohl zum ersten Mal ungeheuchelt auf die Partei der Arbeiterklasse.
Wenn der berühmt-berüchtigte Lawrenti Berija, der für den militärisch-industriellen Komplex der UdSSR zuständig war, Koroljow nicht aus dem GULag geholt und mit dem Raketenbau betraut hätte, wären die Amerikaner die ersten im All gewesen, sagte das Akademiemitglied Boris Tschertok, der mit seinen 93 Jahren immer noch bei der Raketenfirma Energija arbeitet, überzeugt. Koroljow hatte nie im Rampenlicht gestanden. Selbst sein Name wurde geheim gehalten.
Größter Wunsch im All: Rückkehr zu Erde
Die Kosmonauten empfingen alle Ehrungen. Nach und nach verflog aber auch deren Heldenaura, obwohl Raumflüge trotz neuer Technik lebensgefährlich bleiben. Der Russe Salischan Scharipow und der Amerikaner Leroy Chiao, die schon seit 180 Tagen mit der Internationalen Raumstation ISS fliegen, sagten in einem Interview zum Tag der Raumfahrt, sie wären bereit, zum Mars zu fliegen, vorher möchten sie aber doch nach Hause. Seit Russland und USA in der Raumfahrt zusammenarbeiten, sei der Tag der Raumfahrt für ihn und seine Kollegen „ein sehr großer Festtag“ meine Chiao.
Mit dem Klipper zum Mars
In Zusammenarbeit mit der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA sollen Sojus-Raumschiffe von Courou in Französisch-Guayana starten und 2,5 Tonnen Nutzlast mehr, als beim Start von Baikonur zur ISS befördern. Mit europäischer Unterstützung will Raketenfirma Energija die neuartige Raumkapsel Klipper fertigbauen. Sie ist so ausgelegt, dass man Tragflächen anbauen und sie in einen Raumgleiter verwandeln könnte, ein Hinweis darauf, dass Marsflüge nicht länger als reine Fantasie empfunden werden.
(adu/.rufo)
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