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Andrej Koslow galt als Kämpfer gegen die Geldwäsche in Russland. Am Mittwoch wurde der Zentralbanker erschossen (Foto: newsru)
Andrej Koslow galt als Kämpfer gegen die Geldwäsche in Russland. Am Mittwoch wurde der Zentralbanker erschossen (Foto: newsru)
Donnerstag, 14.09.2006

Vize-Zentralbankchef Russlands bei Anschlag getötet

Moskau. Der stellvertretende Zentralbankchef, Andrej Koslow, ist bei einem Attentat ums Leben gekommen. Unbekannte hatten am Mittwochabend auf den Bankier geschossen. Im Krankenhaus erlag Koslow seinen Verletzungen.



Koslow befand sich am Abend auf dem Gelände des Sportklubs „Spartak“, wo Bankangestellte ein Fußballspiel veranstalteten. In seinem Wagen wurden er und sein Fahrer von zwei Männern attackiert. Während der Fahrer noch am Tatort seinen Verletzungen erlag, wurde Koslow mit schweren Schussverletzungen in Kopf und Bauch ins Krankenhaus eingeliefert.

Die Ärzte versuchten in der Nacht mit einer Notoperation das Leben des Zentralbankers zu retten, doch am frühen Morgen erlag auch Koslow seinen Verletzungen. Koslow wurde nur 41 Jahre alt, er hinterlässt eine Frau und drei Kinder.

Bei Russland-Aktuell
• Bankier Linschiz zur Fahndung ausgeschrieben (27.01.2006)
• Sodbusinessbank wegen Geldwäsche geschlossen (14.05.2004)
• Der gläserne Kunde: Finanzaufseher sehen durch (08.04.2004)
• Kriminelle Polizisten machten Millionen (24.06.2003)
• Russland wurde reingewaschen (20.06.2003)
Die Suchaktion der Polizei nach den Tätern verläuft bislang ergebnislos. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren gegen Unbekannt wegen Mordes eingeleitet. Die Ermittler schließen nicht aus, dass die Tat in Zusammenhang mit der Arbeit Koslows steht.

Kampf gegen Geldwäsche


Koslow hatte als erster Stellvertreter von Zentralbankchef Sergej Ignatjew für die Transparenz des russischen Bankensektors gekämpft. Wegen Geldwäscheverdachts hatte er für den Lizenzentzug mehrerer Banken gesorgt (allein in diesem Jahr verloren bereits 33 Banken deswegen ihre Lizenz). Außerdem hatte er sich für ein lebenslanges Berufsverbot derjenigen Bankiers ausgesprochen, die sich der Geldwäsche schuldig gemacht haben.

Das System der Einlagenversicherungen, dass einfache Bürger vor dem Bankrott ihres Finanzunternehmens schützen sollte, wurde unter ihm ins Leben gerufen. Koslow wählte die Banken, die an diesem System teilnehmen durften, sorgfältig aus. „Schwarze Schafe“ duldete er nicht. Insofern war die Teilnahme am System der Einlagenversicherungen auch ein Gütezeichen für die beteiligten Banken.

Koslow setzte sich für Lüftung des Bankgeheimnisses ein


Sein kontroverser Vorschlag, das Bankgeheimnis zu lüften, stieß allerdings auch bei den Abgeordneten der Duma, die dieses Gesetz absegnen müssen, auf wenig Gegenliebe. Es gilt daher als unwahrscheinlich, dass diese Gesetzesänderungen beschlossen werden. Dennoch genoss er Autorität auch unter den Parlamentariern.

Koslows Tod – ein Schlag gegen Russlands Bankenwelt


„Koslow hatte eine prinzipielle und feste Position bei der Auswahl der Banken, die in das System der Einlagenversicherungen eintreten durften, er kämpfte für die Säuberung des Bankensystems. Vielen gefiel diese harte Haltung nicht. Er hatte Feinde. Das [Attentat – d.R.] ist ein Schlag gegen das Bankensystem, da er aktiv mit der Bankenwelt zusammengearbeitet hat“, sagte der Chef des Duma-Bankenkomitees Anatoli Aksakow.

Auch die Regierung verurteilte das Attentat scharf. Premier Michail Fradkow wurde noch am Abend über den Anschlag auf Koslow informiert. Sein Stellvertreter Alexander Schukow charakterisierte den Überfall als „dreistes Verbrechen“. „Ich hoffe, dass die Sicherheitsorgane dieses Verbrechen aufklären und die Schuldigen mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werden“, sagte Schukow, noch bevor bekannt war, dass Koslow seinen Verletzungen erlag.

(ab/.rufo)


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