| In jener Nacht des 1. Juli 2002, etwa eine halbe Stunde vor
Mitternacht, saß der jetzt erstochene Vater von drei Kindern im
skyguide-Gebäude in Zürich vor dem Radarschirm. Vor dem Zusammenprall
einer russischen Passagiermaschine mit 69 Insassen und einem
Frachtflugzeug des Kurierdienstes DHL mit zwei Piloten an Bord hatte
er einem Kollegen noch eine Pause zugestanden. So hatte er alleine
mehrere Plätze zu überwachen. Außerdem funktionierte die Telefonlage
nicht richtig. Der 36-jährige Däne war nach der Katastrophe
suspendiert worden und arbeitete später bei skyguide nicht mehr als
Fluglotse.
skyguide waren wegen der Vorgänge in der Unglücksnacht viele
Vorwürfe von Experten gemacht worden, aber auch seitens der
Hinterblieben der Opfer, hauptsächlich Kinder und Jugendliche aus der
russischen Teilrepublik Baschkirien, die auf dem Weg in die Ferien in
Spanien waren. Der endgültige Untersuchungsbericht wird Ende März
erwartet.
Nach Angaben von Martin Sorg von der Kriminalpolizei Zürich hatte
der Lotse mit dem etwa 50-jährigen noch flüchtigen Täter auf dem
Balkon einen Wortwechsel gehabt. Über den Inhalt machte die
Bezirksanwaltschaft keine Angaben. Der Mann habe gebrochenes Deutsch
gesprochen - ob mit osteuropäischem Akzent, sei offen. Schweizer
Medien berichteten, der Wortwechsel habe sich nicht um den Absturz
gedreht. Dann habe der Täter zugestochen. Der Däne sei noch am Tatort
verblutet.
Die Hinterbliebenen der Absturzopfer zeigten sich bestürzt. "Wir
trauern mit der Witwe und den Kindern des Mannes", sagte die
Angehörigen-Sprecherin Julia Fedotowa am Mittwoch in der russischen
Teilrepublik Baschkirien der dpa. Fedotowa hielt es für
ausgeschlossen, dass jemand von den Angehörigen hinter der Bluttat
stehen könnte. Die Hinterbliebenen der insgesamt 69 russischen
Todesopfer hätten ein großes Interesse an einer Aussage des
Fluglotsen vor Gericht gehabt, sagte Fedotowa.
Nach dem Mord an ihrem 36-jährigen Kollegen erschienen am Mittwoch
sieben Flutlotsen des Schweizer Luftüberwachers skyguide nicht zum
Dienst. Am Flughafen Zürich kam es zu Verspätungen. Die Zahl der
Überflüge im Luftraum Zürich wurde aus Sicherheitsgründen zunächst um
40 Prozent gesenkt. In einer bereits schwierigen Zeit in der
Zivilluftfahrt habe dieser Mord skyguide schwer getroffen, sagte der
sichtlich bewegte skyguide-Direktor Alain Rossier vor Journalisten in
Zürich: "Wir sind zutiefst erschüttert."
Mitarbeiter, die nicht in der Lage seien zu arbeiten, könnten zu
Hause bleiben. Es sei für sie und ihre Familien auch polizeilicher
Schutz organisiert worden.
(dpa/mig/rufo)
|