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Duz-Freunde Jelzin und Kohl (Foto: TV)
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Samstag, 26.03.2005

Was wussten KGB und Stasi alles über Kohl?

Moskau. Biegt man gleich nach der Ringautobahn vom Moskauer Flughafen Wnukowo kommend von der Kiewer Chaussee rechts in die erste Querstraße ab, so kommt rechterhand bald ein niedriger, schmutziggelber Ziegelbau. Hinter dem hohen Zaun versteckt sich ein Geheimquartier des früheren KGB, im Branchenjargon unter dem drolligen Namen „Objekt ABC“ bekannt.

Hier pflegte der Ex-Präsident Boris Jelzin den Bundeskanzler Helmut Kohl in der Sauna zu empfangen. Als die Führer des Westens Kohl im Herbst 1993 nach Moskau mit der Aufgabe schickten, seinen Duzfreund Boris über dessen Konflikt mit dem Obersten Sowjet auszufragen, entschwand er nach seiner Ankunft in Moskau den Journalistenblicken, um Stunden später am Flughafen wieder aufzutauchen. Folge dieser Spritztour zum „Objekt ABC“ war der Panzerbeschuss des russischen Parlaments, das damals noch Oberster Sowjet hieß.

Stasi und KGB tauschten Informationen aus

Während der Sowjetzeit empfing Michail Gorbatschow den Kanzler Kohl in seiner Residenz im südrussischen Stawropol. Auch in der Präsidentenheimat hatten die Wände Ohren. Zwar mochten Gorbi und Honecker sich niemals leiden, es gab aber zwischen dem KGB der UdSSR und dem MfS der DDR ein Abkommen über gegenseitigen Informationsaustausch. Ausgeschlossen waren davon hohe Funktionäre der jeweils anderen Seite, der westdeutsche Bundeskanzler fiel aber nicht darunter.

Stasi war dem KGB in mancher Hinsicht überlegen

Man weiß heute nicht, welche seiner Erkenntnisse der sowjetische Geheimdienst, der auf die Erfahrung der bolschewistischen Tscheka und der Ochrana russischer Zaren zurückblicken konnte, dem jüngeren Bruder verriet, und ob dieser sie ernstlich brauchte.

Deutschland hatte den schlimmsten Nationalsozialismus und danach den perfektesten Kommunismus aufgebaut. Auch der Stasi soll dem russischen Lehrmeister in mancher Beziehung überlegen gewesen sein. Aber in der zur Veröffentlichung freigegebenen Kohl-Akte wird nichts darüber zu finden sein.

Was die ABC-Geschichte angeht, so spielte sie sich in der Nach-DDR-Zeit ab, als es keinen Stasi mehr gab. BND-Experten werden davon nur das erfahren haben, was der Bundeskanzler selbst bereit war zu erzählen. Oder? Man spricht ja nicht umsonst vom „Sumpf der Geheimdienste“.

Putschisten tranken sich dort Mut an

Den Leser dürfte vielleicht die Geschichte des Moskauer Geheimobjekts interessieren. Viele werden sich an die seltsame Putschisten-Pressekonferenz im August 1991 erinnern, zu der diese mit zitternden Händen antraten. Wie der Ex-Premier Valentin Pawlow später erzählte, hatten sie sich im ABC zwei Tage lang „Mut angetrunken“.

Als Jelzin nach dem Scheitern des Putsches 1991 davon erfuhr, ließ er sich hinfahren und hielt seitdem seine geheimsten Beratungen dort ab – auch als er selbst 1993 die Auflösung des Obersten Sowjets plante . Es war eine rein Freudsche Geschichte, in die Kanzler Kohl zufällig einbezogen wurde. (adu/.rufo)


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