Donnerstag, 06.11.2008

Wladikawkas: Elf Tote bei schwerem Terroranschlag

Die Bombe explodierte an einer Haltestelle für Sammeltaxi-Linien (foto: vesti.ru)
Wladikawkas. Eine Explosion an einer Bushaltestelle vor einem Markt in der nordossetischen Hauptstadt Wladikawkas hat elf Todesopfer gefordert, 28 Menschen wurden verletzt. Ermittler sprechen von einem Terrorakt.

Gegen 14.15 Uhr hielt ein Gazelle-Kleinbus einer Sammeltaxi-Linie an der Bushaltestelle vor dem Zentralmarkt von Wladikawkas. „Während die Passagiere aus- und einstiegen, kam es außerhalb (des Fahrzeugs) zu einer Explosion“, so ein Pressesprecher der nordossetischen Staatsanwaltschaft.

Elf Menschen kamen bei der Explosion ums Leben, sechs davon an Ort und Stelle. Etwa 30 Personen wurden nach dem Anschlag in Krankenhäuser eingeliefert oder medizinisch behandelt. Dabei wird nicht ausgeschlossen, dass die Zahl der Toten noch steigt: Viele Opfer seien völlig zerrisssen worden, heißt es.

Bombe mit Splitterwirkung


Die Behörden leiteten ein Ermittlungsverfahren wegen Terrorismus und Mord ein. Am Tatort seien auch „verletzende Elemente“ gefunden worden, sagte ein Ermittler – also jene Schrauben oder Metallkugeln, mit denen Terroristen ihre Bomben spicken, um größeres Unheil anzurichten.

Da der Sprengsatz offenbar zwischen den Menschen vor dem Bus explodierte, ist nicht auszuschließen, dass sich hier ein Selbstmordattentäter in die Luft sprengte.

Technische Ursache wird ausgeschlossen


Die anfängliche Version, es könne sich auch um eine technisch bedingte Explosion einer Gasflasche gehandelt haben, wurde zurückgezogen.

Nordossetiens Regierungs-Chef Taimuras Mamsurow erklärte, er kontrolliere „die gesamte Situation“. Bei einer kurzfristig einberufenen Beratung sollen Hilfsmaßnahmen für die Familien der Opfer sowie Anti-Terror-Maßnahmen beschlossen werden.

Im russischen Nordkaukasus ereigneten sich in den letzten Jahren immer wieder Terrorakte ähnlicher Art: Attentäter zündeten Sprengsätze in Bussen, Zügen oder auf Märkten.

Islamisten, Inguschen oder Georgier ...?


In der Regel gehen diese Anschläge auf das Konto von radikalislamischen Untergrund-Bewegungen, die auf diese Weise Unruhe in den Vielvölker-Republiken am russischen Südrand schüren wollen - und das Fernziel eines unabhängigen "kaukasischen Khanats" vertreten. Die ursprünglich in Tschetschenien beheimatete Terror-Szene hat dabei ihre Zellen und Anschlagsziele über die ganze Region hinweg verteilt.

Terrorserie? Bereits der dritte Terroranschlag auf den Markt von Wladikawkas


Nordossetien war auch Schauplatz des schrecklichen Dramas von Beslan, bei dem Terroristen Anfang Septeber 2004 über 900 Menschen drei Tage lang als Geiseln festhielten. Zwischen den christlichen Osseten und ihren inguschetischen Nachbarn im Osten schwelt zudem seit langer Zeit ein Konflikt um ehemalige Siedlungsgebiete der Inguschen nahe Wladikawkas.

Im April 1999, wenige Monate vor dem Beginn des zweiten Tschetschenienkrieges, wurden bei dem bisher schwersten Anschlag auf den Markt von Waldikawkas 54 Menschen getötet und 150 verwundet.

Im Juli 2000 tötete eine Bombe auf dem Markt drei Besucher und verletzte 50. Schliesslich forderte ebenfalls auf dem Markt eine Bombenexplosion im April 2002 sieben Todesopfer und 46 Verletzte.

Im Februar 2004 starben bei zwei Bombenanschlägen in der Stadt kurz hintereinander vier Menschen. Bei drei Explosionen im Stadtgebiet von Wladikawkas waren im Februar 2006 zwei Tote und 25 Verletzte zu beklagen.
Aber auch der Krieg um Südossetien mit Georgien hat zusätzliche Unruhe in der Region geschaffen. So wurden vereinzelt in Russland auch Vorwürfe laut, dass derartige Anschläge von „georgischen Agenten“ begangen worden seien.