Montag, 03.08.2009

Wladimir Putin ist untergetaucht – im Baikalsee

Putin ist tief gesunken - auf den Grund des Baikalsees in immerhin 1.400 Meter Tiefe (Foto: TV)
Irkutsk. Premier Putin ist abgetaucht in die Tiefen des Baikals. Die trübe „Planktonsuppe“ am Grund durchschaute Putin mit messerscharfem Blick als Indiz einer intakten Umwelt. Darf eine Dreckschleuder deshalb weitermachen?
Eigentlich plädieren die Umweltschützer für einen sanften Tourismus am Baikalsee. Doch derzeit herrscht Hochbetrieb am Ufer des größten Süßwasserreservoirs der Erde; Promi-Massentourismus gewissermaßen:

Abgeordnete, Premiers und Rocker am Baikal


Am Wochenende tauchten der Duma-Abgeordnete Artur Tschilingarow und Premier Wladimir Putin in den Baikal ein. Nun ist die russische Rock-Legende Andrej Makarewitsch (Frontmann der Band „Maschina Wremeni“) auf Tauchstation gegangen. Milliardär Wladimir Grusdjew wartet noch am Ufer.

Putin nutzte für den Tauchgang das Forschungs-U-Boot „Mir 1“, das schon die Unterwasseraufnahmen beim Film „Titanic“ machte, einen blauen Wärme-Kombi und dicke Socken. (Mit nacktem Oberkörper und in Badehosen posiert der Premier in Sibirien nur für die Boulevadzeitung „Komsomolskaja Prawda“ bei Angelausflügen mit monegassischen Prinzen.)

Putin „in der Suppe“


Eine Stunde dauerte es, ehe das Tauchboot den Grund in 1.400 Meter Tiefe erreichte. „Ich bin in eine Suppe aus Plankton geraten“, erklärte ein hörbar zufriedener Putin per Funk aus der Tiefe. Eine Stunde lang beobachtete der Premier am Seegrund Flora und Fauna des Baikals, ehe „Mir 1“ wieder mit dem Auftauchen begann.

Nach dem Ende der Expedition gab der Regierungschef dann Versprechen in alle Richtungen – sowohl den Umweltschützern, als auch den Arbeitern der Zellulosefabrik am Baikal. Die Meinung von Ökologen sei bei der Planung zu berücksichtigen, forderte Putin. Er verwies darauf, dass dies in der Vergangenheit u.a. bei der Planung einer Pipeline von Ostsibirien an den Pazifik getan worden sei.

Trübe Aussichten für Putin?! (Foto: TV)

Schutz des Baikals als Pilotprojekt der russischen Umweltschützer


Damals hatte zunächst der staatliche Ölriese Transneft die Trasse direkt am Ufer des Baikals verlegen wollen. Massiver Protest der Umweltschützer und schließlich Wladimir Putin selbst hatten den Plan am Ende gestoppt. Auch in Zukunft, versprach der Premier, werde er auf Umweltschützer, hören.

Einen Wermutstropfen oder vielleicht besser gesagt, einige Schwefelsäuretropfen, hatte Putin für die Umweltschützer aber auch. Seiner Ansicht nach ist der Baikalsee ökologisch intakt. Das habe er bei seiner Tauchfahrt mit eigenen Augen gesehen. Daher stellte er eine Wiederinbetriebnahme der umstrittenenen Zellulosefabrik in Baikalsk in Aussicht.

Schicksal der Zellulosefabrik wieder offen


Die Fabrik, die dem kremlnahen Oligarchen Oleg Deripaska gehört, musste Ende des Jahres schließen. Eine Umstellung des bis dahin größten Baikalsee-Verschmutzers auf ökologisch saubere Technologien war gescheitert. Das Kombinat arbeitete – insbesondere unter dem Einfluss der Wirtschaftskrise – nicht mehr effizient genug. Tausende Angestellte der Fabrik haben ihren Job verloren.

Die Wiederaufnahme der Produktion könnte die sozialen Spannungen in der ostsibirischen Region Irkutsk entkrampfen (etwa die Hälfte der Arbeitsplätze im Städtchen Baikalsk hängt von der Fabrik ab), würde aber nach Ansicht der Ökologen zu einer weiteren Belastung des Baikalsees führen.

Noch gibt es kein Konzept der Regierung, wie die dieser Widerspruch zu lösen ist. Bisher scheint es so, dass der Schutz der Umwelt dem Schutz von Arbeitsplätzen gegenüber steht. Obwohl das Tourismuspotenzial des Baikalsees als hoch gilt, ist der Wirtschaftsfaktor Tourismus in der Region noch stark unterentwickelt.