Freitag, 15.01.2010

Zarenfamilie fehlt Geld für eine Wohnung in Russland

Maria Wladimirowna wird nicht von allen Romanows als ebenbürtig anerkannt. (Foto: newsru.com)
Moskau. Die Rückkehr der Nachfahren des letzten russischen Zaren nach Russland trifft auf Hindernisse. Erstens haben sie kein Geld für einen Wohnungskauf, und zweitens fehlt der offizielle Status.
Dies erklärte am Freitag German Lukjanow, Leiter der Rechtsabteilung des Hauses Romanow, gegenüber Interfax. Anlass ist der heute gestellte Antrag an ein Moskauer Gericht, die Ermittlungen zur Ermordung Nikolaus´ II. und seiner Familie wiederaufzunehmen.

Gestellt wird er von Großfürstin Maria Wladimirowna, der Enkelin eines Cousins des letzten russischen Zaren. Dabei ginge es den Romanows keineswegs um materielle Ansprüche gegenüber dem russischen Staat, sondern um „moralische und rechtliche Postulate“, lässt Alexander Sakatow, der Chef der Kanzlei der Romanows, verlauten.

Eher Hohenzollern als Romanows


Für Ansprüche auf Eigentum in Russland fehle bisher die rechtliche Grundlage, aber auch wenn es ein Gesetz über Wiedergutmachung gäbe, sei es „äußerst schwierig festzustellen, wer welche Rechte auf Besitz hätte“, gibt Sakatow zu bedenken.

Damit spricht er eine Tatsache an, die kein sehr gutes Licht auf die Nachkommen der russischen Kaiserfamilie wirft – die Romanows sind untereinander zerstritten und können sich nicht einigen, wer überhaupt die Rechtsnachfolge des letzten Zaren innehat.

So erkennt ein Teil der Familie Maria Wladimirownas Sohn Georgi nicht als Thronerben an, weil seine Vorfahren aus einer nichtstandesgemäßen Ehe stammen. Sein Großvater Wladimir Kirillowitsch, ein Cousin von Nikolaus II., hatte gegen den Willen des Zaren geheiratet und zudem die Februarrevolution unterstützt, in deren Folge die Herrschaft der Romanows 1997 beendet wurde.

Dessen Tochter Maria Wladimirowna war mit einem Verwandten des deutschen Kaisers Wilhelm II. verheiratet, so dass ihr Sohn Georgi, der potentielle Thronfolger, eher ein Hohenzollern als ein Romanow ist. So meint jedenfalls ein Teil der hochadligen Familie.

Wohnen in Hotels


Das größte Hindernis für eine Rückkehr der Romanows nach Russland ist allerdings der fehlende offizielle Status, meint Sakatow. Dafür muss eine „rechtliche Entscheidung“ getroffen werden.

Dass der Familie das Geld fehlt, um sich eine Immobilie anzuschaffen, ist da das kleinste Problem. Bisher seien die Mitglieder der Romanow-Familie bei Besuchen in Russland immer in Hotels abgestiegen, sagt Sakatow, und für den Kauf einer Wohnung fehle ihnen elementar das Geld.

Sie hätten aber nicht die Absicht, den russischen Staat um finanzielle Hilfe zu bitten. „Das Kaiserhaus hat Freunde, und vielleicht gibt es ja irgendwann die Voraussetzungen dafür, dass Privatinitiative in dieser Frage helfen kann“, heißt es dazu etwas nebulös aus Sakatows Munde.

Wiederaufnahme des Verfahrens


Das Verfahren in Sachen Ermordung des Zaren und seiner Familie ist heute genau vor einem Jahr eingestellt worden. Die Begründung dafür lautete, die Beschuldigten seien tot und die Sache verjährt.

Die Zarenfamilie sowie andere Romanows und deren Bedienstete, die nach der Revolution ermordet oder verfolgt wurden, waren am 1. Oktober 2008 vom Obersten Gericht der Russischen Föderation rehabilitiert worden.