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| In Katar machte Putin keinen Hehl aus der Idee, dass Erdgasproduzenten zusammenarbietensollten (Foto: NTW-newsru) | |
Dienstag, 13.02.2007
Arabienreise: Putin liebäugelt doch mit Gaskartell
St. Petersburg. Der Putin-Besuch in drei arabischen Staaten zielt mehr auf das Kennenlernen als auf konkrete Vereinbarungen. Mit den Saudis fanden die Russen wenig Gemeinsamkeiten, mit dem Erdgas-Emirat Katar aber doch.
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Putins Besuch in Saudi-Arabien wird gemeinhin als „historisch“ bezeichnet: Noch nie war ein russischer oder sowjetischer Staats-Chef bei den erzkonservativen und steinreichen Hütern der Heiligen Stätten von Mekka und Medina zu Gast - die sich zudem weltpolitisch und wirtschaftlich voll auf die USA ausgerichtet haben. Nicht einmal russische Waffen haben die Scheichs in der Vergangenheit gekauft.
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Mit Saudi-Arabien weiterhin eher kühles Verhältnis
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Eine Wiederholung von Putins Münchner Amerika-Kritik war aus Achtung vor den Gastgebern in Riad also nicht zu erwarten. Lange Zeit war Moskau auf Saudi-Arabien auch schlecht zu sprechen, weil von dort die Umtriebe der tschetschenischen und kaukasischen islamistischen Terroristen zu einem guten Teil mitfinanziert wurden. Auf diplomatischem Wege habe man den Saudis nun im Großen und Ganzen erfolgreich vermittelt, dass dies in der heutigen Welt nicht mehr opportun ist, hieß es aus Kreml-Kreisen vor der Reise, worauf die saudische Regierung die Förderfonds für Bassajew, Chattab und Konsorten trocken gelegt habe.
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Insofern konnte sich Putin und König Abdalla Dingen zuwenden, über die es angenehmer ist zu reden. Gegenseitige geschäftliche Interessen und Möglichkeiten zur Befriedung des Palästina-Konfliktes.
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Richtig warm wurden Russen und Saudis im Umgang miteinander aber nicht, Konkrete Ergebnisse gab es wenig: Verträge wie ein Doppelbesteuerungsabkommen und eine Vereinbarung über die Aufnahme von Linienflügen (bislang flogen aus Russland nur Chartermaschinen mit Mekkapilgern nach Saudi-Arabien) gehören eher zum Basis-Programm geregelter Beziehungen.
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Russische Eisenbahn und russische Panzer in der arabischen Wüste?
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Große Deals sind momentan nicht in Sicht, aber in Zukunft nicht ausgeschlossen: Die russische Eisenbahn RZD bewirbt sich um den Auftrag für den Bau eines 300 bis 400 Kilometer langen Teilstücks einer saudischen Nordsüd-Eisenbahn, tut sich aber schwer gegen die übermächtige Konkurrenz der heimischen Binladin-Gruppe. Der russische Rüstungsexporteur „Rosoboronexport“ lobbyierte eine Lieferung von 150 Panzerfahrzeugen – beide Aufträge könnten etwa 1 Mrd. Dollar schwer werden. Daneben brachten sich russische Unternehmen als Zulieferer für die Ölindustrie ins Gespräch – schließlich stehen beide Länder an der Spitze der Rohölförderung weltweit.
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Etwas spannender wurde es dann im kleine Golf-Emirat Katar, wohin Putin am Montag weiterflog – nicht nur deshalb, weil die katarischen Jagdflugzeuge als Eskorte der Präsidenten-Iljuschin so nahe kamen, dass Putins Leibwache nervös um etwas mehr Abstand bat.
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Putin zu Gaskartell: Produzenten sollen sich koordinieren
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Vor der Presse bestätigte Putin zunächst nur mit einem knappen „ja“, dass bei seinen Gesprächen mit Emir Al-Tani über internationale Koordination im Erdgas-Geschäft gesprochen worden war. Das Thema ist heikel: Der Westen fürchtet die Bildung eines Kartells der großen Gasproduzenten, wie es zuletzt von Algerien und dann auch vom Iran vorgeschlagen worden war. Russland hatte seine Beteiligung an solchen Konstrukten bislang immer eifrig abgestritten – bis Putin vor kurzem dies auf seiner großen Pressekonferenz plötzlich als „interessanten Vorschlag“ bezeichnete.
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In Katar goß Putin noch ein wenig mehr Flüssiggas ins Feuer: Er erklärte nochmals, der Vorschlag sei „interessant“ – mit einer Einschränkung: „Brauchen wir ihn, werden wir ihn umsetzen, das ist eine andere Frage. Aber die Produzenten von Erdgas sollten ihre Aktivitäten koordinieren“, sagte Putin.
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Eine OPEC für Erdgas kann aber nicht funktionieren
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Näheres werde auf einer Konferenz der Erdgas-Staaten besprochen, die im April ebenfalls in der katarischen Hauptstadt Doha stattfinden wird - mit russischer Beteiligung. Putin wie auch Emir al-Tani betonten allerdings, dass ein Preiskartell nach Vorbild der OPEC bei Erdgas nicht funktionieren könne: Einerseits seien die Lieferverträge auf Jahre hinaus mit den Kunden festgelegt, zum anderen seien Produzenten und Kunden durch Pipelines als vorherrschende Transporttechnik fix miteinander verbunden.
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Am heutigen Dienstag hält sich Putin bereits in der jordanischen Hauptstadt Amman auf, wo er von König Abdallah II. ebenfalls mit allen Ehren empfangen wurde - und einer familiären Geste: Der König setzte sich am Flughafen selbst ans Steuer der Limousine, Putin daraufhin auf den Beifahrersitz.
Öl oder Gas sollten dort nicht im Vordergrund stehen - denn das kleine Königreich ist faktisch der einzige arabische Nahost-Staat, der mangels des einen wie des anderen dabei bei diesen Themen nicht mitreden kann. (ld/rufo)
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