Mittwoch, 31.08.2005

Beslan-Geiseldrama Ц Ermittlungen gegen Behörden

Nach dem blutigen Ende des Geiseldramas wurden schwere Vorwürfe gegen die Einsatzleitung laut (Foto: www.newsru.com)
Moskau. Die Staatsanwaltschaft wehrt Vorwürfe der „Mütter von Beslan“ ab, beim Geiseldrama seien viele Kinder durch russische Panzer und Feuerwerfer getötet worden. Doch gegen die Einsatzleitung wird ermittelt.
Schon an dem Tag, an dem das Geiseldrama von Beslan vor einem Jahr in einem Blutbad endete, wurde der Einsatzleitung nicht nur vorgeworfen, Hunderte von Geiseln nicht gerettet zu haben, sondern sogar viele der Kinder durch den rücksichtslosen Einsatz schwerer Waffen selbst getötet zu haben.

Nikolai Schepel, Stellvertretender General-Staatsanwalt Russlands, weist die Vorwürfe in einem Interview mit der Tageszeitung „Komsomolskaja Prawda“ zurück. Panzer und Feuerwerfer seien eingesetzt worden, sagt Schepel, aber erst nach der Evakuierung der überlebenden Geiseln.

Befehl zur Geiselbefreiung erst nach „spontanen Explosionen“

Schepel erklärt, Männer der Sondereinsatzkommandos hätten die Kinder mit den eigenen Körpern vor den Kugeln der Geiselnehmer geschützt. Nachdem „spontane Explosionen“ im Sportsaal gegen 13:05 Uhr ein Loch in die Gebäudewand gerissen hatten, begannen die Geiseln zu flüchten. Sie wurden von den Terroristen unter Feuer genommen. Daraufhin sei der Befehl zur Geiselbefreiungsaktion erteilt worden, sagt Schepel.

Panzer und Feuerwerfer wurden eingesetzt - aber da, wo es keine lebenden Geiseln gab

Erst am Abend nach 18:00 Uhr seien Panzer und Feuerwerfer eingesetzt worden, als es an den Stellen, wo sich Geiselnehmer verschanzt hatten, keine lebenden Geiseln mehr gab. Laut Schepel wurden sieben Schüsse aus einem Panzergeschütz und neun Feuerstöße aus einem Feuerwerfer vom Typ „Schmel“ (Hummel) auf das Schuldach, die Kantine und den Keller abgegeben.

An diesen Orten seien später keine toten Geiseln gefunden worden. Die bei den getöteten Kindern festgestellten Verletzungen entsprechen nach Angaben des Staatsanwaltes nicht dem, was durch Feuerwerfer-Einsatz verursacht wird.

Im Sportsaal habe es viele Brandwunden gegeben, weil von dem in Brand geratenen und zerstörten Dach Teile auf die Kinder herunterfielen. Dieser Brand sei aber nicht durch Feuerwerfereinsatz verursacht worden, sondern nach den ersten Bomben-Explosionen entstanden.

Bei der Tragödie von Beslan wurden 331 Geiseln getötet. 891 konnten lebend gerettet werden.

Entscheidung über Strafverfahren gegen die Einsatzleitung erst nach Gutachten

Ob es ein reguläres Strafverfahren gegen die Einsatzleitung und die Führung der Geheimdienste geben werde, werde erst nach Abschluss eines umfangreichen Gutachtens über den Verlauf des Geiseldramas und der Arbeit der Behörden entschieden, erklärt Schepel.

Angehörige der Opfer und die „Mütter von Beslan“ haben den Ermittlern und der Staatsanwaltschaft ihr Misstrauen ausgesprochen. Auf Einladung Wladimir Putins werden sich am 2.September Vertreter der „Mütter von Beslan“ mit Putin im Kreml treffen. Der Bericht der parlamentarischen Untersuchungskommission wird erst in einigen Monaten fertig gestellt sein.

(gim/.rufo)