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Freitag, 31.05.2002
Die Armee ist unter die Räuber gefallen
St. Petersburg. Auf der heutigen Sicherheitsrats-Sitzung im Kreml steht die Militärplanung bis 2010 auf der Tagesordnung. Generalstabs-Chef Anatoli Kwaschnin nannte gestern in ungewohnter Offenheit die Grundprobleme der Streitkräfte: Es wird gestohlen, was das Zeug hält. Und die Offiziere können sich alles erlauben, weil alles erlaubt ist. Die Diagnose des Generals: Ohne echte Notmaßnahmen ist die russische Armee nicht mehr verteidigungsfähig.
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Igor Iwanow, der zivile Verteidigungsminister und enger Putin-Freund, ist gegenwärtig auf Dienstreise in China. Deshalb nutzte der oberste Uniformträger die Möglichkeit, einmal Klartext zu reden: Um den um sich greifenden Diebstahl aufzuhalten und die obersten Ränge bei der Stange zu halten, fordert er eine Vervielfachung der Offiziersgehälter, „sonst gibt es bald kein Offiziers-Corps mehr“. Die Militärs müssten sozial besser versorgt sein als der Durchschnitt der Bevölkerung.
Die frustrierende Lage der Offiziere sei auch Ursache für den um sich greifenden Diebstahl und die Willkür, mit der alle Verfehlungen toleriert und verziehen würden. Als Beispiel nannte Kwaschnin bei seiner gestrigen Rede auf einer wissenschaftlichen Konferenz 170 Tonnen Silber, die für die Bedürfnisse der Armee zur Verfügung gestellt wurden. 21 Tonnen davon seien gestohlen worden.
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