Dienstag, 26.06.2012

Keine S-300 Raketen für Syrien. Es reicht auch ohne

S-300-FLA-Raketen sollen besser als die Nato-Patriots sein (Foto: Archiv)
Moskau. Das Wichtigste bei Putins Nahost-Reise war nicht der Besuch der neuen Russisch-Orthodoxen Kirche am Jordan, sondern sein Balanceakt zwischen den Konfliktparteien. Und das, was er nicht tat: Russland liefert keine S-300 Luftabwehrraketen an Syrien.
Russland werde keine modernen S-300-Luftabwehrraketen an Syrien liefern, wie bereits vertraglich vereinbart, berichtet heute die Moskauer Wirtschaftszeitung Wedemosti unter Berufung auf Quellen im Verteidigungsministerium. Der Lieferstopp sei "von oben" angeordnet worden.

Die S-300-Raketensysteme sind - nach der noch verbesserten S-400-Version, die aber nicht exportiert wird - die modernsten russischen Luftabwehrwaffen. Sie sind in der Lage, auf weite Entfernung gleichzeitig mehrere Luftziele, Flugzeuge, Drohnen und Raketen zu bekämpfen.

Eine Liefervertrag mit Zypern hatte 1998 eine türkisch-zypriotisch-russische Krise ausgelöst. Eine S-300-Lieferung für den Iran wurde 2010 nach heftigen amerikanisch-israelischen Protesten kurzfristig gestoppt - nachdem zwei Waffenexportmanager in Moskau erschossen worden waren.

Keine S-300 - Assads Gegner können sich freuen


Jetzt steckt Russland bei der bereits vertraglich vereinbarten Lieferung im Werte von 105 Millionen Dollar für Syrien zurück. Die Lieferung sollte Anfang 2013 erfolgen. Assads Gegner können sich freuen.

Allerdings hat Russland bereits längst einige andere Luftabwehrsysteme an Syrien geliefert (und setzt das auch jetzt fort), vermerken russische Fachleute. Darunter auch mobile Raketensysteme, die offiziell zum Schutz des Präsidentenpalastes in Damaskus einsetzbar wären oder auch Luftabwehrgeschütze wie die, mit denen jetzt der türkische Phantom-Jet abgeschossen wurde.

Einschusslöcher in der türkischen Phantom


Die Tatsache, dass die Phantom von russischen FLA-Geschützen vom Typ "Panzir" in Sichtweite der Küste getroffen wurde (belegt durch die Einschüsse in den geborgenen Flugzeugtrümmern), beweise auch, dass das türkische Kampfflugzeug sich dicht an den syrischen Positionen befunden habe.

Die Beweiss seien von Syrien der Türkei zur Verfügung gestellt worden, berichtete das russische Fernsehen. Das Flugzeug habe sich in 100 Metern Höhe bis auf 2,5 km der Küste genähert.

Syriens Luftabwehr ist eine härtere Nuss als die libysche


Es sei aber auch klar, dass Syrien über eine Luftabwehr verfüge, die um ein Mehrfaches stärker sei, als die libysche vor der Nato-Intervention. Auch das mache militärisches Eingreifen in Syrien für die Nato riskant, sagt der Moskauer Politologe Sergej Markow.

Nach dem Bericht der Wedemosti wird die syrische Luftabwehr von zwei Radaranlagen aus gesteuert, die sich in Damaskus und im Norden des Landes befinden. Einige hundert russische Spezialisten sollen dort arbeiten.

Wenn ein militärisches Eingreifen riskant ist und die radikale Opposition trotz aller Unterstützung aus der Türkei und Saudiarabien doch zu schwach ist, Assad zu stürzen, bleibt nur eine politische Lösung, um eine "Neue Ordnung" im Nahen Osten zu etablieren.

Weichensteller Putin - für eine "Neue Ordnung" im Nahen Osten


Wladimir Putin hat sich mit seiner Nahost-Reise bemüht, dafür die Weichen zu stellen. In der "Neuen Ordnung" dürfte Russland eine zentrale Rolle spielen - auch weil es dialogfähig mit allen Konfliktparteien in der Region ist.

Putins Reisestationen belegen es: Israel, Pästinenser-Autonomie und Jordanien. Und selbst die neue Russisch-orthodoxe Kirche am Jordan-Ufer ist ein Signal an die Christen in Syrien, die bei einem Umsturz ein Massaker befürchten müssen.

Dabei bleibt bisher Russlands Vorschlag einer Internationalen Syrien-Konferenz unter Ägide der UN und mit Beteiligung des Iran auf dem Tisch - auch wenn Putin in Israel einräumte, ein atomar bewaffneter Iran wäre eine Bedrohung. Das ändert aber nichts daran, dass am Iran im Nahen Osten kein Weg vorbeiführt. Und dass der Iran ein Recht auf friedliche Nutzung des Atoms hat.

Die russische Dialog- und Balance-Diplomatie könnte sich im "Big Game" langfristig als erfolgreicher erweisen, als die plumpe Unterstützung für Rebellen-Söldner.