Opfer oder Täter? Um die russischen Blauhelmsoldaten in Georgien gibt es erneut Streit (Foto: TV)
Dienstag, 30.10.2007
Krise im Kaukasus: Georgien gegen russische Blauhelme
Tiflis. Neuer Tiefpunkt im Verhältnis zwischen Russland und Georgien: Nach einem Konflikt zwischen russischen Blauhelmsoldaten und georgischen Polizisten droht Präsident Saakaschwili mit dem Rauswurf der Friedenstruppe.
Russischen Medienberichten zufolge waren Soldaten der in Georgien stationierten russischen Blauhelmtruppen bei einer Routinekontrolle im Kreis Sudidi nahe der Grenze zur abtrünnigen Teilrepublik Abchasien. Neben der Überwachung des Waffenstillstands habe die Einheit auch nach Anzeichen einer grassierenden Viehseuche Ausschau gehalten, erklärte Alexander Dijordijew, Adjudant des Oberkommandierenden der GUS-Friedenstruppe.
Version 1: Erschießung russischer Soldaten angedroht
Seinen Angaben zufolge wurde die Patrouille von georgische Polizisten angehalten und bedroht. „Ein Vertreter des georgischen Innenministeriums, der sich nicht vorstellte, drohte lautstark und schimpfend die BTR (Schützenpanzer) anzuzünden und die russischen Wehrpflichtigen zu erschießen“, berichtet die Internetzeitung newsru.
Als er versuchte handgreiflich zu werden, seien er und seine vier Begleiter entwaffnet und festgenommen worden, heißt es.
Version 2: Provokation durch russische Soldaten
Die georgische Seite schildert den Vorfall anders. Demnach haben die Blauhelmsoldaten versucht, ein „patriotisches“ Jugendcamp der Georgier zu abzuriegeln. Georgische Polizisten, die als Wache eingesetzt waren, wurden zusammengeschlagen.
„Die russischen Militärs haben kein Recht dazu. Sie haben mit Panzerfahrzeugen versucht, das Territorium eines patriotischen Lagers abzusperren. Später sind erneut bis zu sieben Maschinen in der Nähe des Lagers erschienen. Sie versuchen eindeutig zu provozieren. Sie haben drei unserer Polizisten als Geiseln genommen“, klagte der Kommandeur des georgischen Blauhelm-Bataillons Demur Paschtijani.
Saakaschwili droht mit Rauswurf und mit Waffengewalt
Georgiens Präsident Michail Saakaschwili reagierte augenblicklich auf den neuen Vorfall. Mit einer Spezialeinheit flog er in das Krisengebiet. Mit Schüssen in die Luft wurden die Blauhelmtruppen zum Rückzug gezwungen.
Kurz darauf forderte Saakaschwili im Fernsehen den Kommandeur der russischen Streitkräfte, Sergej Tschaban, auf, Georgien unverzüglich zu verlassen. Sollte es noch einmal zu solch einem Vorfall kommen, werde er anordnen, aus allen Waffen schießen zu lassen. „Und wir haben richtige Waffen, Sie wissen das“, fügte er hinzu.
Es ist nicht der erste Konflikt zwischen russischen Blauhelmtruppen und georgischen Einheiten. In der Vergangenheit kam es schon mehrfach zu Zusammenstößen. Bei den Auseinandersetzungen geht es vor allem um die georgischen Teilrepubliken Abchasien und Südossetien, die sich unabhängig von Tiflis erklärt haben. Georgien beschuldigt Russland, die separatistischen Bewegungen zu unterstützen.
Der Skandal Okruaschwili – Georgiens Ex-Verteidigungsminister als Kronzeuge Russlands?
Der ehemalige Verteidigungsminister Irakli Okruaschwili – einst Vertrauter des Präsidenten und Hardliner in den kaukasischen Konflikten – behauptete kürzlich, dass Saakaschwili eine gewaltsame Annexion der abtrünnigen Teilrepublik Südossetien geplant habe. Kurz darauf wurde Okruaschwili verhaftet.
In der Untersuchungshaft widerrief er seine Äußerungen über Saakaschwili und gestand stattdessen, dass er sich der Korruption schuldig gemacht habe. Oppositionspolitiker bewerteten die Aussagen des Ex-Verteidigungsministers als erzwungen und kritisierten die zunehmende Einschränkung von Demokratie und Meinungsfreiheit in Georgien. Okruaschwili flüchtete kurz nach seiner Freilassung auf Kaution aus Georgien.
(ab/.rufo/Moskau)
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