Freitag, 26.09.2008

Milliardenkredit als Gastgeschenk für Hugo Chavez

Hugo Chavez ist ein gern und häufig gesehener Gast bei der Kreml-Führung (Foto: TV)
Moskau. Russland und Venezuela werden ihre Kooperation im Energie- und Rohstoffsektor sowie in der Rüstungsindustrie verstärken. Moskau ist bereit, Caracas einen Kredit in Höhe von 1 Mrd. USD für Waffenkäufe einzuräumen.
In Orenburg, kurz vor dem Ural, hat Russlands Staatschef Dmitri Medwedew am Freitag seinen Kollegen Hugo Chavez empfangen. Es ist bereits das zweite Treffen der beiden nach dem Amtsantritt Medwedews. Insgesamt war Chavez schon sieben Mal in Russland.

Venezuela – größter Abnehmer russischer Waffen in Lateinamerika


Die beiden Länder haben ihre Kooperation in den vergangenen Jahren stark ausgebaut – insbesondere im Rüstungssektor. Zwischen 2005 – 2007 wurden Waffenlieferungsverträge in Höhe von umgerechnet 3 Mrd. Euro unterzeichnet.

Chavez hatte in Russland u.a. Kampfflugzeuge vom Typ SU-30, Militärhubschrauber und 100.000 Kalaschnikow-Maschinengewehre gekauft. Im Gespräch sind der Kauf von U-Booten und Raketen.

Herzliches Willkommen für russische Bomber-Piloten in Venezuela


Zudem gestattete Chavez den russischen Atom-Fernkampf-Bombern TU-160 zuletzt die Zwischenlandung in Venezuela, wofür sich Medwedew in Orenburg nun herzlich bedankte. Die demonstrativ zur Schau gestellte Einigkeit in Rüstungsfragen, die vor allem in Washington Verärgerung auslösen dürfte, soll weiter fortgesetzt werden.

So ist Moskau bereit, eine Mrd. USD an Krediten für weitere Waffenkäufe zur Verfügung zu stellen. Die Zusammenarbeit im Öl- und Rüstungssektor „garantiert die Souveränität Venezuelas, die derzeit von den USA bedroht wird“, bedankte sich Chavez.

Weltweit größtes Ölkonsortium geplant


Für seine Waffenhilfe fährt Moskau nun die wirtschaftlichen Rendite im Öl-und Gassektor ein. Der Bereich Energie soll nämlich zum zweiten Standbein der bilateralen Kooperation werden. Chavez und Russlands Premier Wladimir Putin, die sich bereits gestern trafen, vereinbarten eine stärkere Zusammenarbeit bei der Nutzung der Atomenergie.

Außerdem wollen Russland und Venezuela das weltweit größte Ölkonsortium gründen. Dies soll neue Lagerstätten in der Karibik erschließen. Zunächst werde das Konsortium in Venezuela arbeiten, später dann aber auch in anderen Ländern Lateinamerikas, erklärte Chavez dazu. In das Konsortium sollen der staatliche venezolanische Ölkonzern PDVSA, die russischen Petroleum-Unternehmen Lukoil, TNK-BP, Rosneft und der russische Gasmonopolist Gazprom einfließen.

Gazprom bohrt nach Gas in der Karibik


Bereits Ende Oktober kann Gazprom zudem eine Bohrinsel zur Gas-Förderung vor der Küste Venezuelas in Betrieb nehmen. An dem internationalen Projekt sind noch Chevron und Eni beteiligt.

Zur Finanzierung der Projekte ist die Gründung einer russisch-venezolanischen Gemeinschaftsbank im Gespräch, die unter Umständen die notwendigen Kredite vergeben kann.