Mittwoch, 01.11.2006

Nachfolger-Debatte: Putin ohne Kronprinzen

Der Bürgermeister von Archangelsk, Alexander Donskoi, will Putin beerben (Foto: www.newsru.com)
Moskau. Bislang galt es als wahrscheinlich, dass Wladimir Putin im Jahr 2008 einen seiner beiden Vize-Premierminister, Sergej Iwanow oder Dmitri Medwedjew, als Nachfolger installieren will. Inzwischen winken beide Kandidaten ab.
Er plane keineswegs, für das höchste Staatsamt zu kandidieren, erklärte Sergej Iwanow bei einem Besuch in Norwegen. „Ich denke noch nicht einmal daran“, sagte er. Derzeit, so Iwanow, sei er mit der Reform und Modernisierung der russischen Streitkräfte vollständig ausgelastet.

Wettrennen der Thronfolger


Zuvor hatte auch der zweite Vize-Premier in der Regierung, Dmitri Medwedjew, eine Kandidatur bei den Präsidentenwahlen ausgeschlossen. „Mich kränkt es, wenn ich ständig als Teilnehmer irgendwelcher Wettrennen dargestellt werde“, zitierte ihn das Internetportal Grani.ru. „Aber auf meine Beziehungen mit Sergej Borissowitsch Iwanow hat das keinen Einfluss.“

Medwedjew und Iwanow gelten landläufig als Vertreter zweier rivalisierender Einflussgruppen im Kreml. Iwanow gilt in dem, zugegeben extrem vereinfachten Schema, als Mann der „Silowiki“, einer einflussreichen Gruppe von Ex-KGBlern und Militärs, Medwedjew eher als Teil einer noch relativ liberalen Riege von Wirtschaftsreformern.

Wladimir Putin, der mehrfach angekündigt hat, 2008 nicht mehr für eine von der Verfassung nicht vorgesehene dritte Amtszeit zu kandidieren, hat gleichzeitig angedeutet, er wolle einen Wunschnachfolger benennen. Dieser Kandidat hätte beste Chancen, die Wahlen zu gewinnen – nicht nur wegen der enormen Popularität Putins, sondern auch, weil dem Thronfolger eine die Gunst der Medien und der örtlichen Beamtenschaft sicher wäre.

Alle Politiker, die bisher bereits offiziell ihre Kandidatur angekündigt haben, gelten derzeit als komplett chancenlos. KP-Chef Gennadi Sjuganow und der pro-amerikanische Ex-Premierminister Michail Kassjanow haben noch nicht einmal ihre eigenen politischen Lager vorbehaltlos hinter sich. Auch, dass der Bürgermeister der nordrussischen Stadt Archangelsk, Alexander Donskoi, überraschend seinen Namen ins Spiel brachte, ändert daran nicht. Der erst 36-jährige, parteilose Politiker erklärte auf einer Pressekonferenz, er besitze „ausreichend Kraft und Verstand“ für das Amt.

Womöglich kommt aber alles auch ganz anders. Es sei durchaus wahrscheinlich, dass Putin es sich noch einmal anders überlege und sich doch noch ein drittes Mal zur Wahl stelle, glaubt ein Moskauer Politologe. „Seine Versprechen werden gegenstandslos, wenn erst einmal hunderttausend Menschen ein paar Tage lang auf dem Roten Platz demonstrieren und ihn bitten, doch noch zu bleiben“, sagte er zu Russland-Aktuell. Für den Kreml sei es im Bedarfsfall kein Problem, eine derartige „Volks“-Bewegung zu organisieren.

(kp/.rufo)