Montag, 27.08.2012

Nemzow enthüllt Putins Lebensstandard: 20 Paläste

Es gibt auch Momente, da braucht Wladimir Putin ganz wenig zum glücklich sein (Foto: Archiv/.rufo)
Moskau. Boris Nemzow legt ein neues Weißbuch über die Machenschaften der Staatsspitze vor. Diesmal geht es allerdings relativ sachbezogen um die materiellen Reichtümer, die Präsident Putin zur Verfügung stehen.

Unter dem Titel „Das Leben des Galeerensklaven. Paläste, Yachten, Autos, Flugzeuge und andere Assecoires“ listet Oppositionspolitiker Nemzow in seinem neuen Report auf, was den russischen Staatschef so an Reichtums-Indikatoren umgibt – und in welchem Widerspruch dies zu dessen offiziellen Jahresgehalt von etwas über 100.000 Dollar steht.

Dem Report zufolge stehen Wladimir Putin 20 „Paläste, Residenzen und Villen“ zur Verfügung, wobei neun davon erst während dessen Amtszeit entstanden seien. Die Staatschefs der USA und Deutschlands hätten hingegen jeweils nur zwei Residenzen, heißt es.

Eindrucksvolle Luft-Flotille


Die vorrangig dem Präsidenten (aber auch dem Premier und anderen Regierungsmitgliedern) zur Verfügung stehende Armada der „Spezialflugabteilung der Fluggesellschaft Rossija“ umfasst 43 Flugzeuge und 15 Hubschrauber – und hat nach Boris Nemzow einen Sachwert von 1 Mrd. Dollar.

Aufgelistet werden in dem ab morgen auch online publizierten Bericht auch die Boote und Autos, die Putin zur Verfügung stehen. Der Autor setzt diesen Fuhrpark in Kontrast zu den beiden Tschaika-Oldtimern sowie einem Lada Niva und einem Autoanhänger, die Putin gemäß der offiziellen Deklaration seiner Besitztümer persönlich besitzt.

Putin mag edle Uhren - aber woher hat er sie?


Die mit vielen Fotos und Quellenangaben unterlegte Dokumentation unterstellt Putin auch den Besitz einer Sammlung aus elf kostbaren Armbanduhren, die einen Wert von 22 Mio. Rubel (ca. 550.000 Euro) habe.

Auch Putin-Kritiker Nemzow ist gerne bereit, für die Medien sein letztes (also das zuletzt angezogene) Hemd zu geben (Foto: nemtsov.ru)
Nemzow schreibt dabei, dass Putin für den Erwerb dieser Kollektion sechs Jahre hätte arbeiten müssen. „Und wenn es sich um Geschenke handelt, dann hätten sie deklariert werden müssen, ansonsten ist dies nichts weiter als eine Bestechung der höchsten Amtsperson“, heißt es in dem Bericht.

Putin-Sprecher: "Er muss das alles nutzen"


Putins Pressesprecher Dmitri Peskow erklärte in einer ersten Reaktion, dass Staatsresidenzen und Transportmittel des Präsidenten keine Geheimnisse darstellen würden. Dabei handele es sich aber um Staatseigentum, das der Präsident legal nutzen könne. „Er ist sogar gezwungen, viele dieser Objekte zu nutzen“, so Peskow. Damit dürften die Sicherheitsauflagen gemeint sein, die es dem Präsidenten verbieten, wie ein Privatmann zu leben.

Protestantische Bescheidenheit ist Fehlanzeige


Besonders Empörung wird der Bericht über den Lebensstandard des obersten „Galeerensträflings“ (so bezeichnete sich Putin einmal selbst) in der Bevölkerung aber kaum auslösen: Gegenüber der Zeitung „Kommersant“ sagte der Politologe Jewgeni Mintschenko, dass in Russland „die Tatsache, dass der Präsident gut lebt, im öffentlichen Bewusstsein nicht als etwa Kriminelles angesehen wird. Wir haben keine protestantische Tradition der bescheidenen Chefs.“

Nemzow, der Co-Vorsitzender der Partei „Repubikanischen Partei Russlands – Parnas“ ist, schriebt in seinem Vorwort hingegen, Putin hänge krampfhaft an der Macht, auch weil er „die gewohnte Atmosphäre des Reichtums und Luxus kategorisch nicht verlieren möchte“.