Dienstag, 10.03.2009

Pazifik-Gipfel in Petersburg statt Wladiwostok?

Die schöne neue Welt auf der "Russischen Insel" vor Wladiwostok könnte ein Gedankenspiel bleiben (Foto: apec2012.ru)
Wladiwostok. Der für 2012 anstehende Gipfel der Pazifikstaaten (APEC) könnte bei St.Peterburg an der Ostsee stattfinden – sollte Russland aus Sparmaßnahmen auf den Bau einer „Konferenz-Stadt“ vor Wladiwostok verzichten.

Die Pläne für das Projekt „APEC-2012“ sind ähnlich gigantisch wie für Sotschi-2014: Doch während die Realisierung der Winterolympiade in und um den Badeort am Schwarzen Meer selbst in der tiefsten Krise nach wie vor höchste politische Priorität genießt, könnte das Prestige-Projekt an Russlands Pazifikküste schlichtweg weggespart werden.

Wie die Zeitschrift „Itogi“ berichtet, erwägt das russische Finanzministerium, die Mittel für den Bau der Konferenzanlagen auf der vor Wladiwostok gelegenen Insel Russki einzufrieren.

Denn die Kosten für die Gipfel-Infrastruktur werden inzwischen mit 284 Mrd. Rubel (etwa 6,3 Mrd. Euro) veranschlagt. Über zwei Drittel davon müsste der Staat tragen – in Zeiten, in denen an allen Ecken und Enden gespart werden muss, ein für den Haushalt kaum verdaulicher Brocken.

Gleich zwei "Golden-Gate-Brücken" für Russlands Tor zum Pazifik


Der Gipfel sollte dem vom Zentrum lange vernachlässigten Vorposten am Pazifik eine Art Runderneuerung bescheren: Zwei riesige Hängebrücken sollen über das "Goldene Horn", die Wladiwostoker Hafenbucht, sowie über die Meerenge zur Insel hinüber geschlagen werden.

Auf Russki, zu Sowjetzeiten militärisches Sperrgebiet, zeichnete man eine schicke Hotel-Stadt, die später auch als Casino-Standort Spieler und Touristen aus ganz Ostasien anlocken sollte. Auch ein neues Flughafenterminal ist geplant.

St. Petersburg als Alternative einer Gipfel-Billiglösung


Nach Angaben des Blattes erwägt man in der russischen Regierung nun aber, den Pazifik-Gipfel im staatlichen Konferenz-Palast im Petersburger Vorort Strelna abzuhalten, wo 2006 der G8-Gipfel stattfand. Das dortige piccobello restaurierte Konstantins-Schloss liegt ja auch am Meer - allerdings an der Ostsee.

Offiziell hält der Kreml noch an Waldiwostok fest


Wladiwostoks Bürgermeister Igor Puschkarjow will allerdings in Moskau keine Abkehr von dem Projekt bemerkt haben. Von einer Dienstreise in die Hauptstadt zurückgekehrt, erklärte er, dass er auf allen Arbeitstreffen und Sitzungen die Bestätigung erhalten habe, „dass die Pläne zur Durchführung des APEC-Gipfels in Wladiwostok in Kraft bleiben“.

Allerdings müssten die geplanten Ausgaben „optimiert“ werden: So könne man zum Beispiel auf den Bau eines neuen medizinischen Zentrums zum Gipfel verzichten und stattdessen die bestehenden Kliniken besser ausstatten, erklärte der Bürgermeister.

Projekte stehen noch fast alle auf dem Papier


Darüber, dass die in den schönsten Zeiten des Ölpreis-Booms angefertigten Luftschloss-Zeichnungen eines neuen „russischen Hongkong“ bei Lichte betrachtet schon jetzt Makulatur sind, sagte er nichts.

Besonders weit gediehen sind die Arbeiten in Wladiwostok ohnehin noch nicht: Bislang wurde nur mit dem Bau der innerstädtischen 1,4 Kilometer langen Brücke begonnen. Dass diese auch ohne jeden Pazifik-Gipfel in der vom Verkehr gnadenlos überrollten Stadt dringend nötig ist, steht dabei außer Frage.

Russland ist eben groß: Treffen mit der EU am Amur


Und dass der Kreml keine besonderen Skrupel hätte, die Staats-Chefs der ganzen Pazifikregion für einen Gipfel einmal quer über ihr Land bis an die Ostsee reisen zu lassen, zeigt schon die Ortswahl für den am 21. und 22. Mai anstehenden nächsten EU-Russland-Gipfel: Russland hat nämlich entschieden, die Gäste aus Brüssel und Prag nach Chabarowsk einzuladen.

Diese Stadt liegt 700 Kilometer nördlich von Wladiwostok am Amur – und damit von Europa weiter weg als New York. Den EU-Delegationen stehen gut zehn Stunden Flug bevor, um zum Konferenzort zu gelangen.