Donnerstag, 21.08.2008

Russische Armee: Kein voller Abzug aus Georgien

Russische Soldaten bleiben weiter auf Posten entlang der südossetischen Verwaltungsgrenze. Einzige Neuerung: Die regulären Truppn werden durch Friedenstruppen ersetzt (Foto: Archiv)
Moskau/Tiflis. Die russischen Truppen werden sich nicht vollständig aus Georgien zurückziehen. Das erklärte gestern der Generalstab. Zwei Linien von Militärposten verbleiben entlang der Verwaltungsgrenze von Südossetien.
Entlang der Verwaltungsgrenze Südossetiens will die Armee-Führung eine Sicherheitszone einrichten. Die Grenze der Zone soll durch zwei Linien russischer Posten gesichert werden. Das erklärte gestern der Stellvertretende russische Generalstabschef Anatoli Nogowizyn vor der Presse.

Tatsächlich langsamer Rückzug?


In der ersten, äußeren Linie entlang der Verwaltungsgrenze werden nach dem Willen des russischen Generalstabs 272 Soldaten des russischen Kontingents der internationalen Friedenstruppe stationiert, die lange vor Ausbruch des Kriegs aus russischen, georgischen und ossetischen Soldaten gebildet wurde. Die zweite, innere Linie sollen 180 russische Soldaten sichern.

Die russische Tageszeitung „Kommersant“ berichtet, dass die georgische Seite den allmählichen Rückzug der russischen Einheiten aus Georgien bestätige. So habe der Gouverneur der Region Schida erklärt, dass die Situation in der zeitweise umkämpften georgischen Stadt Gori stabil sei und sich die Zahl der russischen Posten nach und nach verringere.

Georgische Regierung ernsthaft besorgt


Das georgische Außenministerium spricht indessen nur von einer Umgruppierung der russischen Truppen innerhalb der von Russland selbst eingerichteten Sicherheitszone entlang der Verwaltungsgrenze von Südossetien.

Die politische Führung in Tiflis zeigt sich besorgt über die Einrichtung der Sicherheitszone durch die Russen. Sie erfasse praktisch das gesamte Zentral-Georgien inklusive der Stadt Gori. Außerdem liege die einzige Fernstraße, die den Westen mit dem Osten des Landes verbinde innerhalb dieser Sicherheitszone.

Vorherrschaft im Kaukasus und Zentralasien


„Das, was die russischen Soldaten derzeit in Georgien machen, hat überhaupt nichts mit Südossetien zu tun“, erklärte der georgische Reintegrationsminister Timur Jakobaschwili. „Russland verfolgt ein geopolitisches Ziel. Russland versucht die Kontrolle über Zentral-Georgien zu erlangen, um alle Transport-Projekte für die Weiterleitung von Gas und Öl aus dem Kaspischen Becken durch den Südkaukasus nach Europa zu unterbinden, mit deren Umsetzung bereits begonnen wurde.“

Die Tageszeitung „Kommersant“ zitiert einen georgischen Experten, der die Befürchtungen der Regierung in Tiflis für berechtigt hält. „Wer Zentral-Georgien beherrscht, durch das alle Kommunikations-Wege verlaufen, der beherrscht ganz Georgien“, erklärte Nika Imnaischwili. „Und wer Georgien kontrolliert, der kontrolliert auch den gesamten Südkaukasus und den Kaukasus insgesamt.

Wer wiederum den Kaukasus beherrscht, der beherrscht auch das Bassein zwischen Schwarzem- und Kaspischem-Meer, Zentralasien eingeschlossen.“