Donnerstag, 05.04.2007

Russischer General: USA mit Atomwaffen gegen Iran

Auf dieser Computersimulation sind die Explosionen noch nicht nuklear (Foto: NTW/newsru)
Moskau. Die iranische Luftverteidigung kann es mit jedem Feind aufnehmen, erklären russische Militärs – denn man hat sie selbst ausgebildet. In diesen Kreisen ist auch von einem Atomwaffen-Einsatz der USA die Rede.
Angesichts des gegen den Iran gerichteten US-Aufmarschs am Golf rasseln auch die russischen Militärs kräftig mit dem Säbel. Allerdings rein verbal - und wohl in erster Linie aus dem Antrieb, im Falle einer Eskalation oder eines US-Debakels hinterher sagen zu können, man hätte die Weltöffentlichkeit ja hinreichend gewarnt.

Heute äußerten sich zwei Generäle des „Kommandos für spezielle Aufgaben“ der russischen Armee über das Kräfteverhältnis der beiden potentiellen Kriegsgegner: General-Leutnant Juri Solowjow erklärte, die iranische Luftabwehr „ist in der Lage, jede Art von Flugapparaten zu bekämpfen“. Der Iran verfüge über leistungsfähige Flugabwehreinrichtungen, von denen einige auch aus Russland geliefert wurden.

Iran wird den USA Verluste beibringen – auch im Luftkrieg


„Auch sollten wir nicht vergessen, dass die Luftabwehrspezialisten der iranischen Armee unter anderen auch bei uns ausgebildet wurden“. Darüber, ob russische Ausbildung und Technik auch hinreichend sind, eine anfliegende US-Bomberarmada nicht nur „zu bekämpfen“, sondern auch abzuschießen, äußerte sich der General allerdings nicht.

Sein Kollege Generalleutnant Sergej Rasygrajew schätzt die Lage so ein, dass die Angreifer eindeutig in der Übermacht sein werden. Der iranischen Luftverteidigung werde es schwer fallen, den Angriff zurückzuschlagen, sagte er. Die USA würden schnell die Oberhand gewinnen – „aber nicht ohne Verluste“.

Generaloberst Leonid Iwaschow, Vize-Präsident der Akademie für Geopolitik und auch ehemaliger Generalstabs-Vizechef, skizzierte den Ablauf eines US-Angriffs auf den Iran in einem Interview mit dem „Moskowski Komsomolez“ folgendermaßen: Innerhalb von zwölf Stunden würden die Amerikaner zwei je vier Stunden dauernde Angriffswellen mit Flugzeugen und Marschflugkörpern fliegen.

Ex-General hält Einsatz taktischer Atomwaffen für möglich


Die ersten Ziele seien die Kommandozentren von Staat und Armee sowie die Stellungen der Luftabwehr. In der zweiten Welle würden dann die kritisierten Atomanlagen angegriffen. Eine dabei mögliche radioaktive Verschmutzung würden die US-Militärs hinnehmen, weil sie nämlich auch bereit seien, die unterirdischen Anlagen mit taktischen Atomwaffen anzugreifen, so Iwaschow.

Ein atomarer Angriff sei möglich, wenn sich herausstellen sollte, dass eine Zerstörung der Anlagen mit konventionellen Waffen nicht machbar sei - oder wenn der Iran im Gegenzug Raketenangriffe auf Israel unternehme, sagte der General.

Auch Generäle machen mit Worten Politik


Allerdings sind die Aussagen des Militär-Insiders Iwaschow mit gewisser Vorsicht zu betrachten: Im gleichen Gespräch nennt er als eigentlichen Kriegsgrund die Gefahr eines Zusammenbruchs des Weltfinanzsystems. „Wir alle sehen, wie nachhaltig der US-Dollar fällt. Sein Absturz ist heutzutage mit keinerlei friedlichen Mitteln aufzuhalten“.

Der wortgewaltige Iwaschow ist den extremen Hardlinern unter der russischen Generalität zuzurechnen und zudem in ultranationalistischen Organisationen wie der „Militär-Großmachtsunion“ aktiv. Insofern ist nicht auszuschließen, dass es sich bei seiner „Ankündigung“ eines Atomkriegs weniger um eine Erkenntnis der russischen Militäraufklärung, als um eine antiamerikanische Propaganda-Maßnahme handelt. Schließlich hat laut Iwaschow auch das „US-Judentum dem Angriff bereits zugestimmt“.

Russische Prognose zum Kriegsbeginn wird morgen überprüft


Wie gut die Einschätzungen der russischen Militärs zur Lage am Golf sind, wird sich morgen zeigen: Informanten aus Geheimdienstkreisen hatten letzte Woche angekündigt, George Bush plane am Karfreitag um vier Uhr morgens den Beginn der Operation „Biss“.

Allerdings befanden sich zu diesem Zeitpunkt die britischen Marinesoldaten noch in iranischer Hand. Ihre Freilassung hat zweifellos zu einer gewissen Deeskalation am Golf geführt - und taugt nun nicht mehr recht als Vorwand.

(ld/rufo/St.Petersburg)