Donnerstag, 22.10.2015

Russland baut Militärpräsenz in der Arktis aus

Russlands neue Arktis-Streitkräfte sollen nicht festfrieren wie dieses alte U-Boot (Foto: Archiv/.rufo)
Moskau. Der Kreml treibt seine Pläne zur Arktis-Eroberung voran – auch militärisch. Neue Stützpunkte sollen die strategisch wichtige Region für Russland absichern. Im Osten sichert Russland zudem die umstrittenen Kurilen ab.
Innerhalb von drei Jahren soll eine Spezialtruppe für die arktische Eisregion aufgebaut sein, teilte Verteidigungsminister Sergej Schoigu mit. „Bis 2018 müssen wir die Schaffung und Bewaffnung der gesamten Arktistruppe abgeschlossen haben“, sagte er auf einer Pressekonferenz am Donnerstag. Geplant sei dazu der Aufbau von vier neuen Stützpunkten, fügte er hinzu.

Wiederkehr nach einem Vierteljahrhundert


Die größte Basis wird demnach auf der 23.200 Quadratkilometer großen Kotelny-Insel im nördlichen Eismeer errichtet, die bereits von der Sowjetunion militärisch genutzt, in den 90er Jahren aber aufgegeben wurde. „Das wird so ein großer Stützpunkt, wie es ihn selbst zu Sowjetzeiten nicht gegeben hat mit modernen Anlagen und allen für diese Region notwendigen Einrichtungen“, sagte Schoigu.

Die Kotelny-Insel gehört zu den Neusibirischen Inseln und liegt vor der Küste der vor allem für ihre Diamanten bekannten russischen Teilrepublik Jakutien.

Schätze unter dem Eis


Kleinere Militärbasen sollen darüber hinaus auf der Wrangel-Insel und zwei weitere auf der Tschuktschen-Halbinsel im äußersten Nordosten Russlands entstehen. Moskau erhebt seit Jahren Anspruch auf einen großen Teil der Arktis.

Unter dem ewigen Eis liegen riesige Vorkommen an Brennstoffen, die Russland erschließen will. Darüber hinaus wird aufgrund des Klimawandels auch die Kontrolle über den Nördlichen Seeweg als Transportroute und Alternative zum Suez-Kanal interessant. Freilich ist Russland in seinen Ambitionen nicht allein, auch andere Anrainer der Nordpolarmeers erheben Gebietsansprüche.

Streit um Kurilen-Stützpunkt


Eine weitere neue Basis will Russland laut Schoigu auch auf den Kurilen aufbauen. Die Inselkette wurde Ende des Zweiten Weltkriegs von der Roten Armee besetzt und ist seitdem Streitobjekt mit Japan. Tokio beansprucht die vier südlichen Inseln Iturup, Kunaschir, Schikotan und Habomai als „Nördliche Territorien“ für sich.

Die Rückgabe sei Voraussetzung für einen Friedensvertrag, heißt es. Moskau hatte als Kompromiss die Abtretung von zwei Inseln vorgeschlagen, doch das Angebot wurde abgelehnt.

„Frage endgültig geklärt”


Inzwischen ist das Kopromissangebot vom Tisch. Als Russlands Premier Dmitri Medwedew im August Iturup besuchte, löste die Visite in Japan Proteste aus. Russlands Vizeaußenminister Igor Morgulow erklärte daraufhin, die Frage der territorialen Zugehörigkeit Iturups und anderer Kurileninseln sei vor 70 Jahren endgültig geklärt worden.

Der neue Stützpunkt demonstriert Moskaus Entschlossenheit. In Japan dürfte dies allerdings für weitere Irritationen sorgen, die geplante Annäherung der beiden Nachbarn liegt damit auf Eis.