St. Petersburg. Zwei Sportler aus dem Golf-Emirat Katar, die seit Ende Februar in Moskau im Gefängnis saßen, sind in ihre Heimat zurückgekehrt. Die Inhaftierung der beiden Ringer war ganz offensichtlich ein Druckmittel, um zwei in Katar einsitzende russische Agenten frei zu bekommen. Ihnen wird vorgeworfen, dort den tschetschenischen Ex-Präsidenten Selimchan Jandarbijew ermordet zu haben. Gestern hatte Präsident Putin mit dem Emir von Katar telefoniert.
Eine Bestätigung der Freilassung aus russischen Quellen gibt es bislang nicht. Aber auch vorher schon waren die offiziellen Informationen über den Arrest der beiden Sportler spärlich und noch dazu häufig widersprüchlich. Nach Angaben des Moskauer Büros von Al-Jazeera sind die beiden Sportler inzwischen in Katar eingetroffen. Gestern abend hatte das Außenamt des Emirates mitgeteilt, dass die beiden Männer „wegen Mangels an Beweisen“ freigelassen worden wären und sich bereits auf dem Heimweg befänden.
Darüber, ob nun auch die beiden russischen Agenten freikommen oder schon freigekommen sind, gibt es keine Informationen.
Jandarbijew, einer der Koordinatoren des tschetschenischen Widerstandes und angeblich einer der Geldbeschaffer der Kampfgruppen, lebte mit seiner Familie in Doha, der Hauptstadt von Katar. Dort wurde er am 13. Februar bei der Explosion einer Bombe unter seinem Auto getötet.
Am 26. Februar verhaftete die Polizei als angebliche Täter drei Russen, bei denen es sich um Mitarbeiter des Geheimdienstes handelte. Diplomatenstatus besaß nur einer von ihnen, er wurde wieder frei gelassen. Der Prozess, bei dem den Angeklagten die Todesstrafe drohte, sollte nächste Woche beginnen. Angeblich sollen die Russen ein Geständnis abgelegt haben – „unter Folter“, argwöhnte man in Russland. Nach russischer Darstellung hatten die Agenten mit dem Jandarbijew-Mord nichts zu tun.
Am gleichen Tag inhaftierten die russischen Behörden auf dem Flughafen Scheremetjewo drei Angehörige der katarischen Nationalmannschaft im Ringen, die aus Minsk kommend über Moskau nach Belgrad fliegen wollten. Einer von ihnen hatte 7.200 Dollar in bar bei sich, die er aber nicht wie vorgeschrieben deklariert hatte. Obwohl es sich dabei eigentlich um ein Bagatelldelikt handelt, wurden die Katarer festgenommen. Einzig ihr Trainer kam bald darauf wieder frei, da er weißrussischer Staatsangehöriger war. Nach Darstellung der russischen Behörden wurde der aus Aserbaidschan gebürtige Ringer Ibat Achmedow inhaftiert, weil er angeblich dem Phantombild des Moskauer Metro-Attentäters ähnlich sah.
Gestern telefonierte nun Präsident Wladimir Putin mit dem Emir von Katar, Scheich Hamad al-Tani. Nach der offiziösen Mitteilung der Kreml-Pressestelle „sprachen sich die beiden Staatsoberhäupter für die weitere Entwicklung der russisch-katarischen Beziehungen aus“ und plauderten über die Lage im Nahen Osten und am Golf. Das war aber offensichtlich nicht der ganze Gesprächsinhalt. Stunden später kamen die Geheimdienst-Geiseln aus dem Gefängnis Lefortowo frei – nach allen Regeln des Genres sicherlich nicht ohne wesentliche Gegenleistung der anderen Seite.
(ld/.rufo)
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Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)