Mittwoch, 30.05.2007

Russlands testet neue Interkontinental-Rakete

Medienwirksam wurde der Start der neuen Interkontinental-Rakete RS-24 von Russland vermarktet (Foto: Newsru.com).
Moskau. Unerwartet hat Russland gestern die neue Interkontinental-Rakete RS-24 getestet. Selbst Militärexperten wurden überrascht. Litauen will nun auch Teile der US-Raketenabwehr auf seinem Staatsgebiet stationieren.
Laut den zuständigen russischen Behörden wurde die Rakete vom Typ RS-24 gestern im nordrussischen Plessetzk von einer mobilen Rampe aus abgeschossen. Nach gut einer Stunde Flug und 6.500 zurückgelegten Kilometern sei sie zielgenau auf dem Testgelände Kura auf der Halbinsel Kamtschatka eingeschlagen.

Gut beschützte Russen



Die RS-24 nutzt die Technik der Topol-M-Rakete, die von der Nato SS-27 genannt wird. Sie kann mehrere Atomsprengköpfe gleichzeitig tragen und ist laut den russischen Behörden in der Lage, alle bestehenden Raketenabwehrsyteme zu überwinden.

In der nächsten Zeit soll die RS-24 alte Raketensysteme vom Typ RS-18 und RS-20 ersetzen. Die Neuentwicklung genüge den Anforderungen des Abrüstungsabkommens Start-I sowie dem Vertrag zwischen Russland und den USA aus dem Jahr 2002, der eine Obergrenze von 1.700 bis 2.000 Atomsprengköpfen pro Staat festlegt. Das erklärte der designierte Putin-Nachfolger Sergej Iwanow anschließend vor der Presse. Er fügte hinzu, dass die Bürger Russlands gut beschützt seien und sich sicher fühlen könnten.

Litauen sieht Gefahr durch „instabile Länder“



Die Raketen-Tests – neben der RS-24 testete Russland gestern auch eine Flügelrakete – müssen wohl im Zusammenhang mit der von den USA geplanten Einrichtung eines Raketenabwehr-Systems in Mittelosteuropa gesehen werden. Noch am Testtag kritisierte der russische Präsident Wladimir Putin die amerikanischen Pläne. Der Raketen-Schild der USA könne Europa in ein Pulverfass verwandeln. Das Abwehrsystem belaste das etablierte System der internationalen Beziehungen.

Unterdessen hat nun nach Polen und Tschechien auch Litauen erklärt, Systeme der amerikanischen Raketenabwehr auf seinem Staatsgebiet stationieren zu wollen. Am Rande eines Besuchs in Moldawien erklärte der litauische Verteidigungsminister Juosas Olekas, die Gefahr durch „instabile Länder“ könne in den kommenden Jahren zunehmen.

Das US-amerikanische Raketensysteme sei eine Möglichkeit die von diesen Ländern ausgehende Gefahr zu begrenzen. Gleichzeitig sagte er, dass das System nicht gegen Russland gerichtet sei.




(cj/.rufo/Moskau)