Donnerstag, 01.09.2005

Trauer in Beslan ein Jahr nach der Tragödie

Trauer in Beslan. Beim Geiseldrama starben über 300 Menschen (Foto: newsru)
Moskau. Ein Jahr nach dem Geiseldrama trauern die Einwohner von Beslan. An der Schule Nr.1 werden Blumen niedergelegt. In Nordossetiens Hauptstadt Wladikawkas soll ein Denkmal für die Opfer enthüllt werden.
Zwei Tage lang werden in Beslan Kränze und Blumen an der Mauer der Schulsporthalle niedergelegt, in der die meisten der über 300 Opfer am 3. September bei einem unglücklichen Befreiungsversuch starben.

In Beslan gibt es keine Unbeteiligten

Kerzen leuchten, an der Mauer hängen die Fotografien der getöteten Geiseln, Trauermusik ertönt. Es herrscht eine bedrückende Atmosphäre in diesen Tagen in Beslan. Offiziell gibt es neben den Kranzniederlegungen keine weiteren Trauerfeiern in Beslan, teilte der Leiter der Trauerveranstaltungen, Mairbek Tuajew mit. Doch es gibt wohl kaum eine Familie in der Stadt, die keine Angehörigen oder Freunde zu beklagen hat.

Am 3. September soll um 13:05 Uhr eine Schweigeminute für die getöteten Geiseln eingelegt werden. Genau um diese Zeit vor einem Jahr begann der unkontrollierte Schusswechsel, der zum Tod der Geiseln führte. Bis heute gibt es unterschiedliche Angaben darüber, wer die Schießerei begonnen hat.

Beschuss begann nach Explosionen

Staatsanwalt Nikolai Schepel wies Schuldvorwürfe an die Einsatzleitung zurück. Die Befreiungsaktion habe begonnen, nachdem zwei „spontane Explosionen“ die Turnhalle, in der die Geiseln gefangen waren, erschütterten. Durch den Einsatz von Panzern und Feuerwerfern seien keine Geiseln getötet worden, sagte er.

Wer trägt neben den Terroristen noch Schuld an der hohen Opferzahl?

Zeugen jedoch behaupten, dass es bereits vor den Explosionen Schüsse gegeben habe. Das Aktionskomitee der „Mütter von Beslan“ will morgen mit Präsident Putin über Versäumnisse der offiziellen Stellen bei der Befreiungsaktion und später auch bei der Aufklärung der Tragödie sprechen. Die „Mütter von Beslan“ geben dem Einsatzkommando und auch Putin eine Mitschuld an den Ereignissen.

Nach ihrem lautstarken Protest gegen die offiziellen Aufklärungsergebnisse während des Prozesses gegen den einzigen überlebenden Terroristen Nurpaschi Kulajew, lud Putin Vertreterinnen des Komitees zu einem Gespräch in den Kreml ein.

Das Aktionskomitee hat derweil in Beslan ausländischen Journalisten eine Erklärung übergeben, in der sie um politisches Asyl \"in jedem Land der Erde bitten, das die Menschenrechte achtet\". Die Hoffnung auf eine gerechte Aufklärung der Ereignisse und Bestrafung der Schuldigen in Russland hätten sie aufgegeben, heißt es in dem Schreiben.
(ab/.rufo)