Donnerstag, 29.09.2011

Trotz Medwedews Ungnade: Kudrin behält zwei Posten

Doch nicht ganz weg vom Fenster: Ex-Finanzminister Alexej Kudrin (Foto: pravda.ru)
Moskau. Der Rausschmiss von Finanzminister Kudrin durch Präsident Medwedew war rabiat – dennoch behält der Gechasste zwei Posten. Er soll sich um die Aufwertung Moskaus zum internationalen Finanzzentrum kümmern.
Sowohl Vizefinanzminister Sergej Strotschak als auch Medwedews Wirtschaftsberater Arkadi Dworkowitsch bestätigten heute, dass Alexej Kudrin weiterhin den Vorsitz des Nationalen Bank-Rates sowie der Präsidenten-Beirates für den Finanzmarkt inne habe.

Kudrin darf noch vorsitzen


Das erstgenannte Gremium tage heute auch unter Kudrins Vorsitz. Laut Stortschak soll sich Kudrin „intensiv um die Fragen der Bildung eines internationalen Finanzzentrums in Russland“ kümmern. „Das bleibt sein Verantwortungsgebiet“.

Dworkowitsch erklärte, Medwedew halte Kudrin weiterhin für einen „guten Wirtschaftsspezialisten“. Allerdings behalte er seine beiden Posten nur bis zur Ernennung eines neuen Finanzministers.

Beim IWF, der Weltbank und dem Antikrisen-Fonds der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft wird Russland allerdings nicht mehr von Kudrin, sondern bereits durch den gegenwärtigen amtierenden Finanzminister Anton Siluanow vertreten.

Kurzer und schmerzhafter Rausschmiss nach Medwedew-Kritik


Kudrin hatte nach der Ankündigung des „Tandems“, dass die Regierung nach der nächsten Präsidentenwahl von Dmitri Medwedew als Premierminister geleitet werden soll, deutlich gesagt, dass er dann nicht mehr als Minister zur Verfügung steht. Er verband dies mit scharfer Kritik an der nach seiner Meinung unverantwortlichen Ausgabenpolitik Medwedews im Militärbereich.

Daraufhin war der langgediente Finanzminister von Medwedew am Montag zunächst öffentlich gerügt und anschließend in Absprache mit dem Noch-Premierminister und designierten neuen Präsidenten Wladimir Putin entlassen worden.

Die Entlassung verlief für russische Verhältnisse „unfreundlich“: Kudrin kehrte nicht einmal mehr ins Finanzministerium zurück, um seine persönlichen Dinge zu packen. Auch die staatstreuen russischen Medien behandeln den Ex-Minister seither wie eine persona non grata.