Ramsan Kadyrow gilt als der starke Mann in Tschetschenien (Foto: RIA Nowosti)
Freitag, 26.01.2007
Tschetschenien: Kadyrow muss sich gedulden
Moskau. Tschetscheniens Präsident Alu Alchanow hat Gerüchte über einen vorzeitigen Rücktritt zurückgewiesen. Somit muss sich Premier Kadyrow mindestens bis 2008 gedulden, um selbst Präsident zu werden.
Ramsan Kadyrow gilt als der starke Mann in Tschetschenien. Über seine Ambitionen gibt es kaum Zweifel. Er will die Macht in der russischen Teilrepublik – auch offiziell. Bei den Wahlen 2004 konnte er seinen getöteten Vater Achmed Kadyrow noch nicht beerben, da die tschetschenische Verfassung ein Mindestalter von 30 Jahren vorschreibt, um Präsident der Kaukasus-Republik zu werden. Diese Grenze hat Ramsan im Oktober vergangenen Jahres überschritten und so tauchen immer öfter Meldungen in den Medien über einen bevorstehenden Machtwechsel in Tschetschenien auf.
Alchanow macht 2008 den Weg frei
Nachdem der jetzige tschetschenische Präsident Alu Alchanow erklärte, dass er 2008 nicht noch einmal bei den Wahlen antreten werde, mutmaßte die Tageszeitung „Kommersant“ bereits über einen unmittelbar bevorstehenden Machtwechsel. Das Blatt berichtete u.a. über von Kadyrow angeordnete Personalumstellungen im Innenministerium der Republik und eine grundsätzliche Überprüfung aller Ministerien. „Wenn die gesamttschetschenische Revision in einem Monat beendet ist, dann kann Herr Kadyrow Präsident werden“, schrieb die Zeitung in ihrer Ausgabe vom Donnerstag.
Ganz so schnell will Alchanow die Amtsgeschäfte aber dann doch nicht übergeben. Er dementierte umgehend, dass er vorzeitig von seinem Posten zurücktreten werde. Auch der Generalgouverneur von Südrussland, Dmitri Kosak, erklärte kategorisch, dass „die Frage eines Präsidentenwechsels in Tschetschenien nicht betrachtet oder diskutiert“ werde. Die Beziehungen zwischen Südrusslands Generalgouverneur und Tschetscheniens Premier gelten als ausgesprochen schlecht. Es ist daher unwahrscheinlich, dass Kosak einer Machtübernahme Kadyrows quasi im Handstreich zustimmen würde. Diese Zustimmung ist aber nötig, um von Russlands Präsident Wladimir Putin ernannt zu werden.
Kadyrow dementiert Pläne über sofortige Machtübernahme
Daher ruderte nun auch Kadyrow zurück. „Ich bin diese ständigen Gerüchte und Spekulationen darüber (über seine Präsidentschaftsambitionen –d.R.) ziemlich leid. In der letzten Zeit ist es Tradition geworden, dass einige Politiker und Journalisten, die meine Meinung nicht kennen, die Verantwortung auf sich nehmen, für mich zu entscheiden und ihre unwahrscheinlichen Schlüsse zu ziehen. Die wahre Absicht dieser Leute ist es, sich Medien-PR zu verschaffen. Ich habe mehr als einmal erklärt und erkläre es nochmals: Für mich ist diese Frage nicht aktuell“, sagte er am Freitag.
Allerdings wurden vor knapp einem Jahr die Zusammenstöße zwischen Leibwächtern Kadyrows und Alchanows auch zu einem „unbedeutenden Alltags-Streit“ heruntergespielt, obwohl anschließend vier Personen mit Schussverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten – ein Leibwächter Kadyrows und drei Leibwächter Alchanows. Dass Kadyrow damals aus Wut darüber, dass ihm zu einem Empfang der Einlass verweigert wurde, den Befehl gegeben haben soll, den Präsidentenpalast zu stürmen, wurde genauso dementiert wie jetzt seine Vorbereitungen auf die Übernahme des Präsidentenamtes.
(ab/.rufo)
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