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Russische Panzertransporter auf dem Rückweg aus Südossetien. August 2008 (Foto: Mrozek./.rufo)
Russische Panzertransporter auf dem Rückweg aus Südossetien. August 2008 (Foto: Mrozek./.rufo)
Montag, 29.06.2009

UNO-Beobachter gehen, russische Panzer marschieren auf

Moskau. Das russische Militärmanöver "Kaukasus 2009" beginnt heute und erfasst eine Woche lang ganz Südrussland und den Nordkaukasus. Derweil bereiten UN- und OSZE-Beobachter aus Abchasien und Georgien ihren Abzug vor.

Das Manöver könne eine getarnte Vorbereitung eines neuen russischen Militärüberfalls auf Georgien sein, warnte auf einer Pressekonferenz in Moskau in der vergangenen Woche der ehemalige Putin-Berater Andrej Illarionow, der seit einiger Zeit meistens in London wohnt.

Gewaltiger Truppenaufmarsch zum Manöver wie zu Sowjetzeiten


Tatsächlich werden für das Manöver beeindruckende Kräfte mobilisiert: 8.500 Soldaten und Offiziere, 200 Panzer, 450 Panzerfahrzeuge und 250 Artilleriegeschütze, Grenztruppen, Luftlandetruppen, Luftwaffe, Luftabwehrtruppen und Marineeinheiten im Kaspi-Meer und im Schwarzen Meer. "Wie zu Sowjetzeiten", freute sich ein Generalstabssprecher.

Das Manöver spielt sich auf dem gesamten Gebiet zwischen Wolga-Mündung und Asow-Meer ab. Es umfasst ausser Nordossetien, Inguschetien, Tschetschenien, Dagestan und Karatschajewo-Tscherkessia auch die Verwaltungsgebiete Krasnodar, Rostow, Stawropol, Wolgograd und Astrachan.

Ins Manövergeschehen eingebunden werden auch die Militäreinheiten, die inzwischen in Südossetien und Abchasien stationiert sind - allerdings nur mit Stabsrahmen-Übungen, bei denen das Manöver sich nur auf Landkarten und im Sandkasten abspielt.

Wie verlaufen Militärmanöver auf Gebieten, wo es einen aktiven bewaffneten Untergrund gibt?


Tatsächlich dürfte für die russischen Militärs unter anderem auch interessant sein, die Funktionsfähigkeit ihrer Truppen insbesondere auf dem Gebiet Inguschetiens, Tschetscheniens und Dagestans zu überprüfen, wo fast täglich bewaffnete islamistische Untergrundgruppen Feuerüberfälle und Sprengstoffanschläge auf Behördenvertreter veranstalten.

Und natürlich sind die Manöver auch eine Demonstration neuer Stärke


Die Manöver beginnen heute und enden eine Woche später - am 6.Juli, pünktlich an dem Tag, an dem der US-Präsident Obama zu seinem ersten offiziellen Besuch in Moskau eintrifft.

Georgien, dessen Präsident Michail Saakaschwili sich das Recht auf Wiedereroberung und Wiederanschluss Südossetiens und Abchasiens vorbehält, nannte die Manöver eine "gefährliche Provokation".

Der russische Generalstab erklärte dagegen, die Manöver dienten der "Abkühlung der Phantasie einzelner Krieger".

Bei Russland-Aktuell
• Saakaschwili: Ja, wir haben den Angriffsbefehl gegeben (01.12.2008)
• Schewardnadse empfiehlt Saakaschwili den Rücktritt (30.03.2009)
• Unterschätzt: nannte Saakaschwili Putin "Liliputin"? (28.11.2008)
• Abchasien: EU-Beobachter tun nichts gegen Anschläge (27.10.2008)
• Kaukasus: Krieg, Lüge und Recht auf Selbstbestimmung (15.08.2008)

Kaum war "Kaukasus 2008" beendet - schon rückte georgisches Militär vor


Tatsächlich gab es bereits im vergangenen Jahr einen direkten Zusammenhang zwischen dem damaligen Manöver "Kaukasus 2008" und dem Krieg in Südossetien: Michail Saakaschwili hatte abgewartet, bis die russischen Manöver nördlich der Kaukasus-Kette beendet und die Truppen fast schon in die Kasernen zurückgekehrt waren, bevor er seinen Angriffsbefehl gab - "zur Wiederherstellung der verfassungsmässigen Ordnung in Südossetien", wie es in einem georgischen Tagesbefehl hiess.

Ob diesmal das eigentliche russische Manöverziel "Tiflis" heisst, wie Illarionow erklärt, dürfte spätestens in einer Woche klar sein.



PS.: Das ausgerechnet jetzt die internationalen Beobachter abgezogen werden (die im vergangenen Jahr übrigens zwar von dem bevorstehenden georgischen Angriff auf Zchinwali wussten, aber nichts dagegen taten), scheint eher ein Zufall zu sein. Russland hatte zwar gegen die Verlängerung des Beobachtermandats in Georgien, Abchasien und Südossetien sein Veto eingelegt, war aber nicht generell gegen die Präsenz von Beobachtern.

Statt einer Verlängerung des alten Mandats müsse es ein neues Mandat geben,

argumentierte Moskau, bei dem zwischen UNO- oder OSZE-Beobachtern in Georgien einerseits, Abchasien oder Südossetien andererseits differenziert werden müsse, da schliesslich diese beiden Regionen seit 2008 selbstständig geworden seien.



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