Mittwoch, 14.12.2011

Fähren: Nach Rostock nicht, dafür öfter nach Helsinki

Die Prinzessinnen aus St. Petersburg nehmen vorerst nicht Kurs auf  Norddeutschland (Foto: St. Peter Line)
St. Petersburg. Aus der für 2012 angekündigten Fährlinie nach Rostock wird vorerst nichts – mangels eines richtigen Fährterminals in Petersburg. Die St.Peter Line intensiviert dafür ihre Verbindungen nach Finnland.
Im Prinzip entwickelt sich das Fährgeschäft von und nach St. Petersburg nicht schlecht: Der Mionopolist auf diesem Gebiet, die russische „St. Peter Line“ beziffert ihr Passagieraufkommen für dieses Jahr mit vage 550.000 bis 600.000 Personen.

Nächstes Jahr sollen es 650.000 bis 700.000 Fahrgäste werden, so Reedereichef Oleg Gluchow. Dies soll allerdings mit dem beiden vorhandenen großen Fährschiffen, der „Prinzessin Maria“ und der „Prinzessin Anastasia“ erfolgen.

Pendelverkehr nach Helsinki


Die Reederei intensiviert lediglich ihren Fahrplan: Statt bisher viermal pro Woche bestehen ab Februar 2012 fünf bis sechs Abfahrten pro Woche in die finnische Hauptstadt: Die „Maria“ pendelt in Zukunft Nacht für Nacht zwischen St. Petersburg und Helsinki, kommt also auf drei bis vier Abfahrten pro Woche.

Und wie bisher zweimal pro Woche wird die „Anastasia“ ihre kleine Ostseekreuzfahrt ab St. Petersburg nach Stockholm erledigen: Auf dem hinweg geht es dabei über Helsinki, auf dem Rückweg über Tallinn.

Deutschland-Linie nicht ohne neues Fährterminal


Gluchow beerdigte aber das angekündigte Vorhaben von St. Peter Line, auch eine Linie nach Deutschland einzurichten. Dazu müsste die Reederei ein drittes Schiff anschaffen – was sie aber solange nicht tun wird, bis der neue Petersburger Passagierhafen „Morskoi Fassad“ auf dem Neuland vor der Wassili-Insel nicht den Status eines Fracht- und Passagierhafens“ erhält – was eine „politische Entscheidung“ sei.

Lastwagen im Bauch sind unabdingbar


Laut Gluchow habe seine Reederei in der Nebensaison ohne Gütertransporte „permanent negative Ergebnisse“ – ohne den Transport von Lastwagen und Trailern mit Containern auf den entsprechenden Decks der Fährschiffe sei das Geschäft also auf Dauer nicht realistisch: „Wir haben mehr als genug riskiert“, sagte er.

Um auf den Fahrten auch gewerbliche Frachten mitnehmen zu können, legen die Schiffe der Reederei auch weiterhin am wenig repräsentablen und komfortablen alten „Meeresbahnhof“ auf der Wassili-Insel an – wo es zwar bedeutend enger zugeht als im neuen Hafen, aber dafür eben rechtlich und technisch die Voraussetzungen bestehen, auch Güterfuhren anzulanden und zolltechnisch abzufertigen.

Helsinki auch auf dem Landweg gut erreichbar


Ob zusätzliche Passagierkapazitäten von und nach Helsinki allerdings gefragt sind, darüber gehen in der Tourismusbranche die Meinungen auseinander, so die Zeitung "Kommersant". Immerhin besteht seit einem Jahr mit dem „Allegro“ auch eine schnelle, ICE-artige Zugverbindung zwischen den beiden Städten.

Profitieren können Reederei wie Tourismusbranche in Petersburg allenfalls dadurch, dass die häufigeren Abfahrten in Zukunft westlichen Touristen bessere Gelegenheit zu visafreien Aufenthalten in St. Petersburg geben: Bis zu 72 Stunden (also drei Tage) darf man bekanntlich in Russland an Land gehen, sofern man mit einer Schiffsverbindung an- und abreist.

Kreuzfahrt um Europa: Per Schiff nach Sotschi


Statt also in Zukunft nach Rostock zu schippern, erwägt die Reederei aber ab dem Olympia-Jahr 2014 mit einem angemieteten Schiff eine neue Route nach Sotschi ins Programm zu nehmen.

Dies aber nicht etwa auf dem mehr oder weniger direkten Weg über Russlands Kanäle und die Wolga, sondern schön einmal außenrum – mit Zwischenhalten in der einen oder anderen europäischen Stadt.