Mittwoch, 15.01.2003

Pestschannaja – Die Ferienbucht

(Foto: Packeiser/.rufo)
Mit diesem Flecken Erde hat es der Liebe Gott bei der Schöpfung gut gemeint: Die „Sandbucht“ etwa 80 Kilometer nördlich von Listwjanka erfreut nicht nur das Auge und die Kletterinstinkte mit einer Vielzahl grotesken Felsformationen, sondern auch Körper und Geist mit dem mildesten Klima weit und breit.
Anfahrt von Irkutsk
Die Pestschannaja-Bucht wird in den Sommermonaten von Irkutsk aus dreimal in der Woche von einer Katamaran-Schnellfähre angefahren. Abfahrt Di, Fr, und So um 10 Uhr vom Anleger „Raketa“ in Solnetschny. Fahrtdauer 3 Stunden, Fahrtpreis 400 Rubel. Man kann auch einen Tagesausflug daraus machen, denn nach 2,5 Stunden Aufenthalt fährt das Schiff wieder zurück.
Es ist der einzige Ort Ostsibiriens, der im Jahresschnitt eine Temperaturbilanz über dem Nullpunkt hat – genau plus 0,4 Grad. Noch dazu gibt es hier soviele Sonnentage wie an der Schwarzmeerküste.

„Sibirische Riviera“ wird die Pestschannaja-Bucht deshalb auch genannt. Nun, auch dort soll es ja ab und zu mal schlechtes Wetter geben – bei unserer Stippvisite in der Bucht regnete es jedenfalls.

Aber was solls, dieses landschaftlich traumhafte Plätzchen animiert ohnehin mehr zum Wandern und Klettern als zum Baden. Denn das hier schnell sehr tiefe Baikal-Wasser lässt sich von den Sonnenstunden nicht besonders beeindrucken und erwärmt sich nicht sonderlich.

Erreichbar ist die Bucht nur vom Wasser her. Über den Kamm der über 1.000 Meter hohen Küstenberge führen nur Wanderpfade, auch entlang der Küste ist für Fahrzeuge kein Durchkommen. Also ein idealer Urlaubsort für Autohasser.

Trotz der Abgeschiedenheit ist für Unterkunft und Verpflegung gesorgt: In der Bucht selbst gibt es neben einer sehr sowjetisch wirkenden „Tourbasa“ noch ein modernes (und nach eigener Darstellung ökologisch korrektes) Feriendorf namens „Baikalskije Djuny“. Es wartet je nach Ansprüchen mit allem Komfort auf – vom Tennisplatz bis zu Luxusbungalows.

Campingfreunde stoßen in der benachbarten Babuschka-Bucht auf Gesinnungsgenossen und einen mit minimaler Infrastruktur (Plumpsklos, Müllcontainer) ausgestatteten Zeltplatz.

Pestschannaja (foto: ld/.rufo)
Eingerahmt wird die Bucht von zwei Felsformationen namens Großer und kleiner Glockenturm.

Steigt man auf einen der Felsen im schnell ansteigenden Hinterland, schweift der Blick über den fast idealen Halbmond der sandigen Bucht und das von menschlichen Ansiedlungen ansonsten völlig verschont gebliebene Küstenland im weiten Umkreis.

Über Wanderpfade kann man, so weit die Füße tragen, durch die Berge und zu den Nachbarbuchten streifen.
Eine besondere Attraktion von Pestschannaja sind die „gehenden Bäume“: Einigen Bäumen, die sich fahrlässigerweise auf der steil zum See abfallenden Sanddüne angesiedelt haben, haben Wind und Wasser mit der Zeit den Boden zwischen den Wurzeln entzogen.
Die Stämme beginnen deshalb erst auf Schulterhöhe. Beim ersten Blick glaubt man, die Bäume stiegen auf ihren Spinnenbeinen den Hang hinauf.

(ld/.rufo)